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Elbkreuzfahrt: Von Magdeburg in die Sächsische Schweiz

Die Entdeckung der Langsamkeit
Sekt oder Selters, Elbe oder Rhein? Das Bauhaus in Dessau, Luthers Wittenberg,
Meißener Porzellan, "Elbflorenz" Dresden und die Sächsische Schweiz klingen verlockend,
also ab nach Magdeburg. Gegen Mitternacht wird die „Schumann“ ablegen, elbaufwärts...


Wie passend: Kaum das geschichtsträchtige Magdeburg vor Augen kommen mir musikalisch die 1980-er Jahre in den Sinn. Neue Deutsche Welle. Joachim Witt. Goldener Reiter. Beim Einchecken am Nachmittag erwische ich mich dabei, wie ich zum x-ten Mal den legendären Ohrwurm summe. Wie auch in den nachfolgenden Stunden, als ich die Sehenswürdigkeiten der Stadt an der Elbe besuche: den  viel besungenen Goldenen Reiter, den Domplatz, das Hundertwasserhaus und das Guericke-Museum. Pünktlich zum Dinner für Sechzig im Bordrestaurant bin ich wieder an Bord. Unter den Gästen: meist Deutsche im gesetzteren Alter, ein paar Österreicher, Franzosen und sogar zwei Italienerinnen. Die Kleidung ist leger, Abendkleid und Anzug passé. Der Hauptgang wird à la carte serviert, vorweg nach Gusto Klassisches vom Buffet, dann wahlweise Fisch oder Fleisch und das Dessert. Am späten Abend füllt sich langsam das Oberdeck, das Horn kündigt die Abfahrt an. Ein letzter Blick noch auf die Lichter von Magdeburg, dann geht´s über Nacht gen Dessau und Wörlitzer Park.

 
l DESSAU Der nächste Morgen. Mit neuneinhalb km/h kämpft sich das Schiff elbaufwärts. „Mehr ist nicht drin“, sagt der tschechische Kapitän, obwohl auch 22 km/h möglich wären. Zu schmal sei die Fahrrinne für das knapp 95 Meter lange und elf Meter breite Schiff, auch kämen zwischendurch immer mal andere Schiffe, die eine schnellere Fahrt verhinderten. Ein guter Anlass, während der Fahrt die Langsamkeit einer Flusskreuzfahrt zu entdecken und sich innerlich dem Rhythmus leise plätschernder Elbwellen anzupassen. Irgendwann sind die Auen am Ufer durchquert, linkerhand kommt ein Anleger in Sicht, Dessau ist erreicht. Erstes Ausflugsziel: Wörlitz und der Weltkulturerbe-Park. 120 Hektar ist sie groß, die Anlage aus dem 18. Jahrhundert mit ihren opulenten Blumenrabatten, mehreren Inseln, zahllosen Brücken und dem klassizistischen Schloss. Zu viel des Guten, um in knapp zwei Stunden alles per pedes zu erkunden, eine gemütliche Kahnfahrt durch die Kanäle muss also reichen - bevor es im Schnelldurchgang zum Dessauer Bauhaus geht – mit kurzem Blick ins Museum und auf die einstigen Wohnhäuser weltberühmter Professoren wie Feiniger, Gropius und Schlemmer. Abends: Ankunft in der Lutherstadt Wittenberg, über Nacht bleiben wir dort vor Anker.

l WITTENBERG Tag drei: Alles dreht sich um den berühmtesten Sohn der Stadt: Besuch des Lutherhauses, Bummel durch die Altstadt zur „seiner“ Thesen-Schlosskirche mit kurzem Blick auf die Häuser seiner Freunde Melanchthon und Cranach am Marktplatz. Erstmals fällt der Name seiner Frau Katharina von Bora, die ihm zeitlebens im Kampf gegen König und Kirche den Rücken freihielt – und nach seinem Tod mittellos und aus Furcht vor Krieg und Pest flüchten musste. Bei Nacht und Wind chauffierte sie die Kutsche selbst, stürzte damit in einen Graben und wurde schwerverletzt  ins nahe Torgau gebracht. In diesem wohl schönsten Renaissance-Städtchen Deutschlands mit der imposanten Burganlage und dem Jahrhunderte alten Bärengehege legt die „Schumann“ am späten Abend an. Nur kurz ist der Landgang, ein Blick auf die Marienkirche, in der Luthers „Käthe“ ihre letzte Ruhestatt fand, ein zweiter noch auf das schmale Haus, in dem sie starb - und schon ist Torgau Geschichte.

Wieder an Bord geht alles seinen gewohnten ruhigen Gang: Essen und trinken im Restaurant, danach ein Absacker an der Bar im „Ballsaal“. Keiner gibt dem Mann am Klavier ein Bier, der spielt trotzdem seinen Stiefel runter, gängige Weisen von „Ol´ blue Eye“ Sinatra bis „O sole mio“. Zwei, drei Pärchen wagen noch ein Tänzchen, gegen Mitternacht gehen dann langsam die Lichter aus. Bis hierhin haben die beiden Italienerinnen nichts unversucht gelassen, in Wittenberg, Dessau oder Torgau das eine oder andere modische Schnäppchen machen zu können – vergeblich, wie ihren Mienen unschwer zu entnehmen ist. Vielleicht klappt´s ja am Tag drauf in Meißen.



l MEISSEN Morgens überrascht der Blick auf Europas östlichste Weinberge die Frühaufsteher an Deck, kurz darauf ist in der Ferne die Silhouette der Albrechtsburg zu sehen. In ihren Mauern fristete der Alchimist Johann Friedrich Böttger ab 1705 für drei Jahre sein Leben. Eingesperrt von August dem Starken, dem zu Ohren gekommen war, dass Böttger aus Schrott Gold zaubern könnte. Letztlich „erfand“ dieser dann das Porzellan und begründete damit ab 1710 den Ruhm der ersten europäischen Porzellanmanufaktur. Um die Ecke, im damals schon 240 Jahre alten „Domkeller“, feierte er wohl seine Befreiung. Ob er dort auch einen „Brahdn´bemme Dreesdn´r Art", ein Zwiebelbrot mit Schweinebraten, verspeiste, darf bezweifelt werden. Für 7,5 Euro-Taler ist es heute jedenfalls die richtige Einstimmung aufs nächste Ziel der Reise: „Elbflorenz“.

l DRESDEN Als das Schiff eine Linkskurve um den letzten Weinhang der Lausitz nimmt, verstummt plötzlich jede Unterhaltung auf dem Oberdeck. Aus diesem Blickwinkel hatte noch keiner der Anwesenden Dresden gesehen. Der venezianische Maler Canaletto alias Bernardo Bellotto kommt einem in den Sinn angesichts dieser kirchturmverzierten barocken „Skyline“. 1748 malte er die bis heute schönste Ansicht der Stadt – irgendwie kann man nachempfinden, was ihn damals bewog, zu Pinsel und Palette zu greifen, um dieses Bild festzuhalten. Den Landgang nutzen die einen für einen Besuch der Schatzkammer des Grünen Gewölbes, andere zieht´s zur Frauenkirche, zum Zwinger oder zum Bahnhof mit der von Stararchitekt Norman Foster gestalteten Überdachung. Oder in die Neustadt auf der anderen Elbseite, in den schönsten Milchladen der Welt: "Pfunds Molkerei". Unsere zwei Italienerinnen wittern Morgenluft und starten zu einer weiteren Shopping-Tour in die Altstadt. Mit Erfolg offenbar, endlich huscht beim Abendessen an Bord auch mal ein zufriedenes Lächeln über ihre Gesichter.

l SÄCHSISCHE SCHWEIZ Fünfter Tag, morgens. Die Anker der „Schumann“ werden gelichtet, gemächlich geht es weiter elbaufwärts. Kaum haben wir Albrechtsbrücke und die Semperoper passiert, zeigt sich das Weltnaturerbe Elbtal von seiner schönsten Seite: Linkerhand mit leicht ansteigenden Hängen, in denen sich die Türmchen der einstigen Prachtvillen reicher Dresdner zeigen, rechterhand verlaufen sich langsam die letzten Stadthäuser in den Flussauen. Schloss Pillnitz und später Pirna werden passiert, die Festung Königstein und die ersten bizarren Felsformationen des Elbsandsteingebirges sind zu sehen. Bad Schandau wird angefahren, schnell noch ein Blick in die wenig aufregende „City“, bevor es per Bus hoch auf die berühmte Bastei geht. Eine im wahrsten Sinne des Wortes aussichtsreiche Tour – faszinierend der Blick über das 200 Meter tiefer gelegene Elbtal und die bizarren Tafelberge ringsum. Eine Eierschecke oder zwei Quarkkeulchen noch zum Abschluss, dann zurück nach Bad Schandau, das Schiff wartet schon. Bereit für das letzte Stück der Elbkreuzfahrt. Ziel ist das tschechische Litomerice, am nächsten Morgen  Startort für den Tagestrip nach Prag. Andere Stadt, anderes Land, anderer Fluss - deshalb ist das wieder eine andere Geschichte…                                                                                          J.Bleckmann

l BUCHUNG Ganzjährig erhalten Frühbucher bis drei Monate vor Reisebeginn 20% Rabatt. Bei Zweier-Belegung einer Außenkabine kostet der Törn Magdeburg-Prag (Melnik) aktuell ab 1120 € p. P. inkl. Vollpension, das „Ausflugspaket“ mit sechs geführten Tagestouren (wie beschrieben) kostet 279€ zusätzlich. Buchungen im Reisebüro oder kostenfrei über 0 800 / 18 87 100 33. Infos: www.viking-flusskreuzfahrten.de

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Traumtrips auf vier Rädern

Man gönnt sich ja sonst nichts...
Damit Träume nicht zeitlebens Schäume bleiben, kann man mit den Reiseangeboten
einiger Autohersteller in diesem Jahr gleich drei Fliegen mit einer Klappe schlagen:
exotisch urlauben, Spannendes erleben und obendrein sein Traumauto fahren...

 
Island, ein ganz normaler Tag. Wir sind unterwegs in unseren Geländewagen. Offraod, jenseits aller ashaltierten Straßen irgendwo im Südosten der Insel. Plötzlich stockt die Karawane. Einer der Fahrer bleibt in einem vermeintlichen Rinnsal stecken. Mittendrin geht plötzlich gar nichts mehr – weder vor, noch zurück. Was tun? Per Seil muss der Land Rover mit der Winde wieder flott gemacht werden. Also: Klamotten aus, rein ins vier Grad kalte Wasser und das Seil befestigt. Die Winde besorgt den Rest. Als die Reifen wieder Grip unterm Gummi haben, geht´s weiter. Querbeet über Stock und Stein. Nachmittags Suppen-Stopp mit Blick auf den brodelnden Geysir, dann kurze Stippvisite an einem Wasserfall und wieder rein in die unglaublich wild-schöne Natur...
So oder ähnlich könnte sich in diesem Jahr ein Trip auf einer vom Autohersteller organisierten Tour irgendwo auf diesem Erdball gestalten. Ob Italien im Frühjahr, Island im Somm
er, Namibia im Herbst oder Polarkreis im Winter - die Palette der von Porsche, Land Rover, BMW, Mercedes und Audi angebotenen Autoreisen ist groß. Und rustikal-abenteuerlich für die einen, extraordinär-luxuriös für die anderen, je nach Gusto. Die Preise bewegen sich zwangsläufig auf Luxus-Ebene - man gönnt sich ja sonst nichts. Zwar ist solch ein vom von Firmenseite organisierter Island-Trip mit Naturerfahrungen nichts für zart Besaitete, auf den nötigen Komfort muss jedoch keiner verzichten. Mal abgesehen davon, dass man ja auf jeden Fall mit seinem Traumwagen unterwegs ist. Unvergessliche Erlebnisse inbegriffen...



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BMW:
"Multiday Touren" z.B. nach Namibia mit dem X5 haben die Bayern im Programm. Acht Tage dauert das wüste Abenteuer, mal geht´s in den Otjihavera-Bergen über Stock und Stein, mal auf Sand- und Schotterpisten durchs Landesinnere, mal durch trockene Flussbetten und hohe Dünen. Preis für sieben Ü/VP im Einzelzimmer 3850 €. Alternativ gibt´s neben kurzen Trips (z.B. Renntraining auf der Nordschleife des Nürburgrings, 2 Ü/VP im Einzelzimmer 2750 €)  auch ein viertägiges "Ice Perfection Training" mit dem M3 im schwedischen Arjeplog, 60 Kilometer südlich des Polarkreises. Im Programm sind neben Brems- und Ausweichübungen auch Slaloms und Driftkurse. Preis inkl. Flug, Hotel und Vollpension: 3250 €. Infos: 018 05-32.47.37 und www.bmw.de

l Mercedes: Jeder, der davon träumt, mal vom Feinsten exotische Reiseziele zu "erfahren", kann bei den Stuttgartern aus dem Vollen schöpfen. Im Programm in der Saison 2011/2012 unter anderem: zwei Tage Saalfelden/Österreich mit Drifttraining (1895 €) oder der fünftägige Winter-Fahrevent "Perfektion" in Lappland, mit Einzelcoachings, Rallye-Trainings und Driftübungen. Gefahren wird auf C-350er Modellen, zur Entspannung kann man Touren mit dem Snowmobil durch arktische Gefilde machen. Preis inkl. Flug und vier Hotelübernachtungen: 3595 €. Infos unter 089-950.60.51 oder per E-Mail: info@mercedes-benz.driving-events.de
l AUDI: Winter 2011/12: Unendliche Weite, eisige Rundkurse, knirschender Schnee – hervorragende Bedingungen, um bei Audis "ice experience" eine der wohl schönsten Formen des Autofahrens zu erlernen und zu erleben. Die Touren gehen nach Schweden und Finnland an den Polarkreis(ab 3800 € inkl. Flug und Hotel). Cooles Highlight ist die "Audi Nordkap-Tour", eine viertägige Reise durch die finnische Schneewüste. Gefahren wird mit dem Q7 V12 TDI quattro und dem neuen Q5 hybrid quattro, eisiges Ziel ist die Barentsee. Der Preis ist im Gegensatz dazu heiß: 3500 € inkl. Hotel und Flug. Deutlicher wärmer und preiswerter geht´s zu auf der dreitägigen "Gourmet-Tour" durch die Oberpfalz, sie schlägt mit 1200 € im Einzelzimmer zu Buche. Infos: Audi driving experience, Fon: 0841/89-32.90-0, E-Mail: drive@audi.de, www.audi.de/Erlebniswelt
 


l LAND ROVER: Experience-Trips gehen u.a. nach Finnland und Botswana, durch Kanada und ans «Ende der Welt» nach Argentinien. Preise: zwischen 1680 € (vier Tage Spanien) und ab etwa 3950 € für mehrtägige Touren durch Kanada, Botswana oder Slowenien. Die sechstägige Island-Tour im Juli/August 2012 kostet ab/bis Frankfurt p.P. rund 2600 €, neun Tage 3600€. Info-Hotline: 020.58-778.09-67, Buchungen: Agentur für Promotion und Service, Wülfrath, Fon: 02058-77 80 9-0, E-Mail: expeditions@landrover-experience.de, www.landrover-experience.de 
l PORSCHE: Für weniger als 911 Euro gibt´s bei Porsche nur einen Schnupperkurs: Der Tagestrip z.B. in die Sächsische Schweiz kostet im EZ 645 €, ein Wochenende inklusive Top-Hotel an der Mosel 1050 €, eine fünftägige Adventure-Tour an die italienische Riviera gibt´s für 3997 €. Highlights im Winter 2011/12 sind die coolen Carrera-4-Camps am finnischen Polarkreis. Voraussichtlicher Preis: Fünf Tage ohne Flug 3690 €. Infos: Porsche Travel Club unter 0711/ 911–78155, E-Mail: travel-club@porsche.de, www.porsche.de


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Dublin / Irland
Welcome to Publin
Krise hin, Rauchverbot her - kaum eine andere europäische Metropole ist in ihrem Alltag so widersprüchlich wie die irische Hauptstadt. In Dutzenden Kneipen fließen heute wie einst viele Pints Bier und das „Wasser des Lebens“, der Whiskey, durch die Kehlen Einheimischer und Zugereister. Die Trinkfreudigkeit Dubliner Literaten ist legendär, doch kaum einen hielt es deshalb in der „erbärmlichen“ Stadt am Fluss Liffey. Geblieben sind ihre Werke und – ihre Pubs…

Wenn irische Literatur-Ikonen mal in die große, weite Welt reisten, dann konnte man was erleben. Als publik wurde, dass der europaweit berühmte Schriftsteller Brendan Behan einen Trip über den Großen Teich nach Kanada plante, fragte sich alle Welt, was er als Dubliner und bekennender Sauf- und Raufbold überhaupt dort wolle. Er habe ein Reklameschild gesehen, auf dem genau das stünde, was er in der Neuen Welt zu tun gedenke: „Drink Canada dry!“ Und dass er kein Problem gehabt haben dürfte, den Norden Amerikas tatsächlich „trocken zu trinken“ – daran zweifelte in den 1950er-Jahren keiner, der ihn kannte. Am allerwenigsten seine Zechgenossen im „McDaid´s Pub“, den der Schriftsteller gern aufsuchte, immer durstig, immer garstig, aber nie ohne seine Schreibmaschine.


Als der Ex-IRA-Bombenleger den Plan hegte, seine Heimatstadt auf Dauer zu verlassen, hatte sein Schreibkollege Jonathan Swift schon zwei Jahrhunderte zuvor ähnlich tiefe Blicke ins Glas gewagt und ähnliche Abwanderungspläne geschmiedet. Grund: Er fühle sich in „diesem erbärmlichen Dublin“ von allen verkannt. Da stand er nicht allein: Kollege Bernhard Shaw lamentierte später über eine „gewisse, für Dublin aber bezeichnende Verhöhnung und Herabwürdigung“, die ihm ohne Unterlass entgegenschlagen würde. Bänkelsänger Thomas Moore stimmte ein in dieses Klagelied und sprach gern von der „ignoranten Fröhlichkeit, aber irgendwie ist es eine aufgesetzte“, die ihn täglich umgab.
Wie seine „Leidensgenossen“ tat auch er irgendwann das, was offenbar allen schriftstellernden Dublinern in die Wiege gelegt wird: Bloß weg hier und das Weite suchen. Die Meisten zog es nach London. Oder ins weltoffene Paris, das für Oscar Wilde und Samuel Beckett zum selbstgewählten Exil wurde. Ein weiterer prominenter Flüchtling, James Joyce, brachte die Hintergründe, warum er einfach raus musste aus Dubh Linn auf einen kurzen Nenner: „Wie satt, satt, satt habe ich diese Stadt. Es ist die Stadt des Scheiterns, der Boshaftigkeit und der Unzufriedenheit. Ich sehne mich danach, weg zu sein.“ War der Entschluss einmal gefasst, konnte nichts sie halten in dieser Stadt, die so berühmt-berüchtigt war für ihre Pubs. Kein „Mc Daids“, kein „Davy Byrnes“, in dem  James Joyce am liebsten Trübsal blies und Whiskey trank, keine andere der unzähligen Kneipen wie „O’Neill’s“ oder „Neary’s“, die heute wie damals kurz nach Mitternacht die „last order“ einläuten. Die Straßen seien „voller Tavernen“ klagte schon im 16. Jahrhundert der Chronist Richard Barnaby, hundert Jahre später fungierten von den knapp 6000 Häusern der Stadt immerhin noch 1200 als Kneipen. In einem der Ziegelgebäude am Parnell Square  lassen sich die Biographien aller Dubliner Schriftsteller Zeile für Zeile nachempfinden – in seinen Mauern befindet sich das „Dublin Writers Museum“, in dem auch die Erstausgabe von Bram Stokers „Graf Dracula“ zu sehen ist.
Ein Großteil der achthundert Pubs, die es heute noch Schluck für Schluck in der Stadt rechts und links der Liffey zu erkunden gilt, hat ebenfalls die Jahrhunderte unbeschadet überstanden. Der ungebrochenen Liebe der Iren zum „Uisge beath“, ihrem Wasser des Lebens, sei Dank. Die Geschichte dieses dreimal gebrannten und deshalb so milden Whiskeys wird anschaulich und appetitanregend in der „Irish Whiskey Corner“ in der Bow Street per Video und Degustation vermittelt. Wem eher der Sinn nach Bier steht, kann sich mit einem kühl-schwarzen Guinness den Abend schön trinken, 1759 hat die gleichnamige englische Familie den mit gerösteter Gerste gebrauten Tropfen in Irland eingeführt. Heute immer noch angesagt: das „Mc Daid’s“ in der Harry Street oder das „Ryan“ in der Parkgate Street mit seinen kleinen Séparées für große Gelage oder das „O’Donoghues“, in dem die über Jahrzehnte unverwüstlichen „Dubliners“ sicherlich mehr als sieben trunkene Nächte verbracht haben.
Sei´s drum: Irgendwann wird jeder Ausflug tagsüber doch wieder in einem der Pubs oder vielleicht auch im „Whelan´s“ in der Wexford Street enden. In dem früheren Theater spielen Irlands beste Nachwuchsbands auf und machen Appetit auf mehr. Vielleicht auf ein vitaminreiches Oyster Stout, das  im „Porterhouse“ in der Parliament Street ausgeschenkt wird. Oder auf ein Pint Guinness im „Storehouse“ der altehrwürdigen Brauerei am St. James Gate. Wer der Ecke entfliehen möchte, der James Joyce - seine Lieblingspub war übrigens "The Stag´s Head" am Dame Court - einst „eine triste, aber doch glitzernde Atmosphäre“ bescheinigte, kann sich den zahlreichen Dublinern anschließen, die am frühen Abend weg von Heim und Herd und hin zum Pferde- oder Windhundrennen im Shelbourne Park oder Harold’s Cross pilgern. Um dann was zu tun? Natürlich Sieg oder Niederlage „ihrer“ vier- und schnellbeinigen Favoritenzu begießen. Was wäre der beste Platz? Ein Pub natürlich – vorzugsweise das „Old Stand“ in der Exchequer Street...

l
Highlights
l Kunst & Kultur > In den Räumen der Christ Church Cathedral am gleichnamigen Platz lauschte Georg Friedrich Händel am 13. April 1742 der Uraufführung seines „Messias“ im Kreis eines ausgewählten Auditoriums, das zuvor gebeten wurde, „seitens der Damen auf Reifröcke und seitens der Männer auf die Schwerter zu verzichten“ – zu groß war seine Popularität, als dass der Raum so viel Premierenpublikum hätte fassen können. Nur einen Steinwurf entfernt liegt die zweite Großkirche Dublins, die St. Patrick’s Cathedral, in der Jonathan Swift begraben liegt. Mehr als dreißig Jahre hatte er dort nur als Dekan gearbeitet, obwohl er doch so gern Bischof geworden wäre - zeit seines Lebens wurde nichts daraus. Ein paar Straßen weiter ist das „Book of Kells“ ein Must. Es liegt in der Bibliothek des altehrwürdigen Trinity Colleges aus, die zudem ein paar Treppen hoch im „Long Room“ die größte bibliophile Sammlung Irlands beherbergt.
Auch wenn man selten von spektakulären Ausstellungen oder Auktionen in Dublin hört - die lokale Kunstszene lebt. Auch wenn bisher nur ein einziger lebender Ire mit einem Bild die Millionengrenze knacken konnte: Louis le Brocquy, der mit seinen expressiven Portraits von Samuel Beckett und Francis Bacon international bekannt wurde. Knapp 40 Galerien finden sich im innerstädtischen Bereich, präsentiert werden irisch-zeitgenössische Kunst (Kerlin Gallery, Anne´s Lane, mit Werken von Sean Scully, Dorothy Cross, Willy Doherty und Phil Collins), Bilder von in Dublin geborenen Künstlern (Rubicon Gallery, St. Stephen´s Green 10, u.a. mit Werken von Eithne Jordan und Maud Cotter) oder Fotos und Filme  (Green on Red, Lombard Street East 26-28). Noch empfehlenswert: Mother´sTankstation (Watling Street 41-43), Four (Burgh Quay 11).     
l Dinners & Drinks > Man nehme ein denkmalgeschütztes Haus, ein dunkelhölzernes Ambiente und ein Gastro-Package à la Publin mit fidelnder Folkmusik, einem deftigen Irish-Stew und einem rauchig schmeckenden Pint Guinness – dann kann man sicher sein, sich in einem der traditionellen Pubs der Innenstadt zu befinden. Dublin hat mehr als 850 Pubs, gefühlt 1001 - mal angesagt, mal traditionell, mal klassisch um die Ecke. Das Rauchverbot seit 2004 hat offensichtlich der Trinklaune in den Pubs rund um Temple Bar, Grafton- und Wexford Street keinen Abbruch getan. Bestellt wird am Tresen, bezahlt sofort. Last Order ist nach wie vor gegen 0.30 Uhr, danach gibt´s aber noch diverse Nachtclubs. Ein paar Tipps:
Rings um die Straße Temple Bar liegt das gleichnamige Amüsierviertel mit Dutzenden Kneipen, darunter die unbestrittene Nr. 1 der irischen Hauptstadt, das Oliver St. John Cogarty in der 58-59 Fleet Street.
Musik-Fans zieht´s eher ins Cobblestone in der 77 King Street North im Stadtteil Smithfield oder ins aktuelle In-Viertel rechts und links von Dame Street und Dame Lane mit Blues-Läden wie dem Sweeny´s Mongrel.
„Nationalgericht“ neben Irish Stew sind die unverwüstlichen Boxties, Kartoffelpfannkuchen mit diversen Füllungen. Eine Sünde wert sind sie im Gallagher´s Boxty House in Temple Bar 20/21.
Frischbier und den besten Blick über die Stadt gibt´s im Guinness Storehouse am St. James Gate, das originellste Getränk – ein Oyster Stout, gebraut aus frischen Austern – serviert das Porterhouse in der Parliament Street 16-18.
Schriftsteller Behan zog sich zwei Flaschen Whiskey und ungezählte Pints täglich rein, seine bevorzugter „Quelle“, die er nie ohne Schreibmaschine betrat: McDaid´s Pub. Ältester Pub Dublins ist übrigens The Brazen Head in der Bridge Street 20.
Die Octagon Bar im Hotel “The Clarence” am Wellington Quay 6-8. Gehört beides Bono und The Edge von der Kultband U2, zwischendurch lassen sie sich auch mal live sehen. Die Bar hat übrigens eine kleine Terrasse mit Top-Blick auf Fluss und Dublin.
Top für den späten Abend: die Sam Sara Bar in der Dawson Street 41 und Lillies Bordello in der Grafton Street.
l Wohnen & Schlafen > 141 vom Feinsten designte Zimmer mit einem Interieur, das optimal mit dem Eichenboden harmoniert, zentrale Lage und doch ruhig - man könnte es schlimmer antreffen, hier im The Morrison am Ormond Quay, nur wenige Minuten von Temple Bar entfernt. DZ ab 120 €, www.morrisonhotel.ie
l Shoppen & Schauen > Verkehrsberuhigt ist Dublins größte Einkaufsstraße, die Grafton Street zwischen St. Stephen's Green und Trinity College. Nassau Street ist eine weitere, mehr auf Touristen ausgerichtete Meile. Empfehlenswert: das „Powerscourt Townhouse Centre“ in der South William Street 59. Ein georgianischer Ziegelbau aus dem 18. Jahrhundert mit Glasdach und Galerien und schmucken Shops, in denen alles vom Souvenir bis zu Antiquitäten und Schmuck verkauft wird. Jeden Samstag ab 13 Uhr tobt im „Celtic Note“ in der Nassau Street 14/15 der Papst. Irische Folksongs live und vom Feinsten. Wer will, kann die entsprechende CD auch direkt im Laden kaufen – das Angebot an irischer Musik ist riesig. Täglich kurz nach 13 Uhr rezitieren Schauspieler im „Dublin Writers Museum“ am Parnell Square 18 Texte berühmter Dubliner Autoren. Wer will, kann sich abends zwischen 18 und 19 Uhr noch für kleines Geld ein spezielles Gourmet Theater-Menü im „Chapter One“ schmecken lassen...
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Groningen / Niederlande
Feierfreudige Hansestadt
Wenn Zufriedenheit ein Gradmesser ist, dann fühlt sich kein Europäer in seiner Stadt
so wohl wie die "Stadjers" in Groningen. Steinalt und zeitlos und jung geblieben - so
präsentiert sich heute die quicklebendige Grachtenstadt im Nordosten der Niederlande.

„´T kon minder“, es könnte weniger sein, sagen selbst die Groninger, wenn es um das tägliche Schaulaufen tausender Touristen und Einheimischer in ihrer autobefreiten Altstadt geht. Zwei Kilometer im Quadrat volles Leben in historischem Ambiente rings um Grote Markt und Vismarkt, zwischen Martini-Turm und Aa-Kirche. Sperrstunde? Fehlanzeige. Tagsüber und dann wieder ab 21 Uhr geht in den knapp 170 Cafes, Restaurants und Discos der Stadt die Post ab. In der Nacht von Donnerstag auf Freitag auch gern mal bis in die frühen Morgenstunden. „Dann haben die Studenten die Wäsche bei Mama abgegeben und läuten das Wochenende ein“, merkt die Stadtführerin ironisch an. Bevorzugte Meile für alle über 18: Turftorenstraat und Poelestraat. Videoüberwacht und eigentlich ein No-go für „Senioren“ jenseits der vierzig. Die finden trotzdem problemlos ihr Plätzchen ein paar Meter entfernt in „de Ellebogenbuurt“. Dort, am Grote Kromme Elleboog, leicht erkennbar an teuren Kupferpfannen und -töpfen im Schaufenster, findet sich auch das „Muller“, einzig besterntes Restaurant der Stadt. Umgeben von traditionellen „Bruine Cafés“ wie dem „De Pintelier“ oder dem „De Wolthoorn & Co“, seit 1923 im Original erhalten und unbestritten die Nummer 1 unter den niederländischen Cafés. Über ein mangelndes gastronomisches Angebot muss sich also in der mit rund 170.000 Einwohnern sechstgrößten Stadt der Niederlande weiß Gott kein Mensch Gedanken machen. Dank der 35.000 Studenten liegt das Durchschnittsalter der Groninger heute bei knapp 37 Jahren.

Einst ein Alter, das erst einmal erreicht werden wollte. „Gasthäuser“ jedenfalls gab es immer schon in der einstigen Römergründung, die ab dem 13. Jahrhundert über knapp zweihundert Jahre auch der Hanse angehörte – nur waren sie weniger zugänglich für Weiber und Gesang. Eher für die Ärmsten der Armen und Kranke. Das älteste und größte noch erhaltene „Hofje“ ist das Heiligen-Geist-Gasthuis in der Pelsterstraat. Es bot schon 1267 Obdach für „alle Menschen mit bravem, ehrlichen Lebenswandel“. Die trotzdem oder deshalb ihren Lebensunterhalt nicht mehr bestreiten konnten. Für die noch schlimmer Betroffenen, Pest- und Geisteskranke, war das Sint-Anthony-Gasthuis am Rademarkt die letzte Zuflucht. 1517 erbaut, war es lange Jahre beliebtes Ziel für die wohlsituierten Bürger der Stadt, die sonntags ihren Kindern mal zeigen wollten, wo sie denn enden werden, wenn... Und flanierten mit ihren Kids dann durch den „Dolhuisgang“, den Irrenhausweg. Bis dahin kamen die Bemitleidenswerten im 1405 errichteten und anfangs für Pilger und Arme gedachten Geertruits-Gasthuis in der Peperstraat unter. Heute ist das Areal mit seinem baumbestandenen Innenhof begehrter Wohnraum für Bedürftige, rund 450 Euro Miete kostet solch ein zweigeschossiges Minihäuschen mitten in der Stadt. Fast schon makaber: Gleich nebenan steht das „Holland Casino“, in dem einige ein Vielfaches dieser Monatsmiete täglich beim Roulette oder Blackjack verzocken.
 
l Wem die Stunde schlägt - hier gleich doppelt
Das architektonische Miteinander von Alt und Neu – hier die schiefen Ziegelfassaden jahrhundertealter Speicher, Bürgerhäuser und Kirchen, dort gläserne und granitglänzende Außenansichten der Moderne – gibt Groningen ein Gesicht, das zur „schönsten Innenstadt der Niederlande“ gekürt wurde. Zu bestaunen am besten per Rundfahrt mit dem Schiff. Immer die Kanäle entlang, die die Altstadt umringen und das rund 30 Kilometer landeinwärts liegende Groningen vom Noorderhaven aus mit der Nordsee verbanden. Entsprechend maritim ist die Geschichte der Stadt: Hanse-Mitglied vom 14. bis ins 16. Jahrhundert, Kontakte weltweit von Bergen in Norwegen über Soest in Westfalen bis Batavia in Indonesien. Was läge als Geschäftsidee näher, als genau in dieser Tradition einen Handel aufzuziehen, der nur Produkte wie Tee und Marzipan, Schokolade und Honig im Portfolio hat - hergestellt von Unternehmen, die seit mindestens hundert Jahren in Familienbesitz sind. In „Het Hanze Huis“ in einem kleinen Anbau der Aa-Kirche am Fischmarkt sind solche Spezialitäten ausgestellt.

Der Turm der im 12. Jahrhundert erstmals erwähnten Kirche präsentiert sich heute in leuchtendem gelb-türkis, der originellste der drei größten städtischen Gotteshäuser ist er aber nicht. Der steht einen Steinwurf entfernt am Radesingel und schmückt die Sint-Jozefkerk. Seit 1981 darf sie sich Bischofssitz nennen, bekannt gemacht hat sie aber ihr sechseckiger Turm, der jedem Zechgesellen nach diversen Pilsjes und dem unverzichtbaren Genever den Weg nach Hause wies. Sechs Uhren zeigen rundum, was die Stunde geschlagen hatte; zwei davon sieht man immer – egal, von welcher Seite man kommt. Kurz: Weil jeder, ob nüchtern oder nicht, alles doppelt sieht, hatte die Kathedrale schnell ihren Spitznamen weg: „Dronkemanstoren“, Trinkerturm. Wer´s gern sportlich sieht, kann als „Starter“ die Stufen in den Glockenturm der Martinikerk am Grote Markt erklimmen – oben winken zur Belohnung ein Matjes und ein Genever. Vielleicht wäre weniger Lust auf Leben in Groningen ja tatsächlich mehr.´T kon minder. Ansichtssache. Vor allem, weil das platte Land ringsum auch noch das eine oder andere Schmuckstück zu bieten hat…

l Highlights
l Kunst & Kultur: Zwei Museen hat´s in Groningen natürlich auch. Das eine – gegenüber vom Bahnhof gelegen – lockt mit wechselnden Ausstellungen in vier Pavillons. Alle von Toparchitekten gestaltet, darunter Philippe Starck. Das andere ist das Comicmuseum am Westerhaven 71. Wie der Name schon sagt: Witzig, aber mehr was für Kinder in Begleitung Erwachsener.
l Essen & Trinken: Das älteste „bruine café“ der Stadt ist das „Dreams“ im A-Weg. Knapp 100 Jahre alt, hat der einstige Pferdestall des Jockeys Lucas von Hammen trotz des Namens nichts von seiner Gemütlichkeit verloren. Vorab vielleicht ein Dinner im einzigem besternten Restaurant der Stadt - dann ab ins „Muller“ am Grote Kromme Elleboog.
l Tipps & Trips: Weltberühmte Architekten haben in Groningen gewirkt. Ein Rundgang durch die Stadt führt an allen Highlights vorbei, mal am Pissoir von Rem Koolhaas, mal am Empfangspavillon des Unimuseums, mal am Pavillon von Siebe Jan Bouma am Zuiderdiep. Der Weg ist das Ziel – und besser kann man Groningen nicht erlaufen.
l Wohnen & Schlafen: Grand Hotel De Kromme Raake – ein Haus, eine Rezeption, ein Wohnraum mit Schlafschrank, Küche und Bad, mehr ist nicht drin im laut Guinnessbuch der Rekorde kleinsten Hotel der Welt. Es steht zwar nicht in Groningen selbst, sondern 30 Autominuten nördlich der Stadt im Örtchen Eenrum, trotzdem gaben sich dort schon Thronfolger Willem-Alexander mit Gattin Maxima neben unzähligen anderen aus aller Welt die Ehre. Wegen des eingeschränkten Platzangebots wird rechtzeitige Buchung angeraten. DZ mit Frühstück gibt´s für 150 € pro Nacht, Wochenend-Arrangement mit Champagner und Dinner für 275 €. Fon: 0595.49.16.00 / www.hoteldekrommeraake.nl
 
l Service
l Infos & Mehr: VVV Stadt Groningen, Grote Markt 25, 0031-50-3139741 / www.tourismus.groningen.nl


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Picardie / Frankreich

Schlossgeschichten à la carte
Chantilly und Champagner, Kathedralen und kulinarische Köstlichkeiten sind
die Markenzeichen der Region im Nordosten von Paris. Einst heiß umkämpft, ist
sie heute ein lohnendes Reiseziel - nicht nur für Feinschmecker und Pferdefreunde.
Chic, très chic hatte er sich gemacht an diesem Tag, der kleine Monsieur Chrétien. Dunkelblaue Hose, hellblaues Hemd, blitzblanke braune Sonntagsschuhe am drahtigen Körper. Darüber ein fast faltenloses Gesicht, an dem sechs Jahrzehnte harter Feldarbeit scheinbar spurlos vorübergegangen sind. Ein dünnes Menjoubärtchen ziert die Mundpartie, die ein schüchternes Lächeln zeigt, als er von „seinem“ Heimatort spricht: Parfondeval, eines der „schönsten Dörfer Frankreichs“ im äußersten Nordosten der Picardie, knapp dreißig Kilometer von der belgischen Grenze entfernt. Um die Mittagszeit wirkt das Dorf so lebendig wie der schlafende Hund vor der einzigen Attraktion Parfondals, einer steinernen Wehrkirche aus dem 16. Jahrhundert. Kaum ein Haus hat den Brand von 1865 überstanden, seitdem sind auch die Reetdächer verschwunden, die einst dem Ort ein Gesicht gaben. Stolz zeigt Monsieur noch sein kleines unaufgeräumtes Privatmuseum, vollgepfropft bis unters Dach mit Werkzeugen und landwirtschaftlichen Geräten, Fahrrädern und Kinderwagen aus allen Perioden des 20. Jahrhunderts. Bleibt hier und da stehen, zeigt lächelnd das siebzig Jahre alte Velosolex, den verstaubten dreirädrigen Traktor aus den 1930-er Jahren, den mechanischen Buttermixer aus irgendwann. Ein von Maman selbst gebackener Käsekuchen mit hausgemachtem Cidre noch in seiner Küche, dann heißt es „au revoir“ sagen, Laon wartet.
l Laon: Tor zu Schlössern und Champagner
„Nirgends habe ich schönere Türme gesehen als hier“, schwärmte schon im 13. Jahrhundert der Baumeister Villard de Honnecourt. „In Laon ist alles schön, die Kirchen, die Häuser, die Umgebung, einfach alles“, setzte Victor Hugo der Stadt 1835 ein literarisches Denkmal. Schön heute, dass ein Großteil des einstigen Lugdunum der Gallier in altem Glanz erscheint. Römer, Karl der Große, Templer und französische Könige waren über Jahrtausende scharf auf den strategisch und wirtschaftlich wichtigen Kalksteinhügel. Schön auch, dass man alles Sehenswerte zu Fuß erreichen kann, das imposante Stadttor Porte d´Ardon wie die 1134 erbaute Templerkapelle und Frankreichs ältestes Spital. Die Architektur der frühgotischen Kathedrale Nôtre Dame hat den Bau vieler anderer Dome beeinflusst, darunter die in Bamberg und Magdeburg. Egal, wie weitläufig die Tour durch die Stadt ist - der Besuch in einem der traditionellen nordfranzösischen „Estaminets“ ist danach ein Muss. So viel Zeit sollte sein, um in einem klassisch-picardischen Bistro den regionalen Stinkekäse „Maroilles“ in einer der zahllosen Variationen zu probieren – zum Beispiel im „St. Jean“ an der 23, Rue Saint Jean: mal als gebackene Vorspeise, mal im Salat oder nur als herzhafte Tarte zum Dessert, das Menü für schlanke 12,50 Euro.Ein Preis, für den man in der „Auberge Le Relais“ in Reuilly-Sauvigny, eine Autostunde südlich von Laon, nicht einmal die Vorspeise ordern könnte. Mit einem Stern kann sich Gourmetkoch Martial Berthuit inzwischen schmücken, sein kleines Hotel hat er folgerichtig mit komfortabel-eleganten Zimmern ausgestattet. Die einstige Poststation weitab jeglicher Hektik ist ein sehr ruhig gelegenes Refugium, ideal, um die Gegend rund um Château-Thierry zu erkunden - mit diversen Relikten aus dem Ersten und Zweiten Weltkrieg, einer von sanften Hügeln geprägten Landschaft am Ufer der Marne und der Champagne um die Ecke. Nicht verpassen sollte man die Maison Pannier, Frankreichs zweitgrößte Champagner-Kellerei mit kilometerlangen unterirdischen Gängen, in denen schon im 12. Jahrhundert Kalkgestein gebrochen und für den Bau der Stadt verwendet wurde. 1937 erkannte der Weinhändler Louis Eugène Pannier den Wert der längst stillgelegten Stollen und gründete die Maison Pannier, um dort künftig seine edlen Tropfen zwei, drei Jahre reifen zu lassen. Heute ist Pannier das einzige Haus außerhalb der Champagne, das seine picardischen Cuvées Champagner nennen darf.
l Compiègne: Ein Waggon schreibt Geschichte

Apropos: Picardie heißt zwar die Region zwischen Kanalküste und der Champagne, Paris und Belgien - Picardier als solche hat es jedoch nie gegeben, eine eigene Sprache haben sich die Nordfranzosen jedoch seit Jahrhunderten bewahrt. Immerhin, bei all den Eroberern und Landesherren, die das waldreiche Land gerne zu ihrem Herrschaftsbereich erkoren. Bei jagenden Kaisern und Königen besonders beliebt: die Region rings um Compiègne. Na, klingelt´s? Irgendwie hat man den Namen doch schon mal gehört. Stimmt. Um das Ende des Ersten Weltkriegs zu besiegeln, wurde 1918 in einem Waggon im sechs Kilometer entfernten Dorf Rethondes der Friedensvertrag zwischen Frankreich und Deutschland unterzeichnet. 1940 ein zweiter mit Adolf Hitler, der aber nicht lange Bestand hatte. Hunderttausende ließen damals ihr Leben, als Stadt an der Frontlinie hat auch Compiègne neben den seelischen auch bauliche Narben behalten. Vieles steht nicht mehr in der Stadt, die einst von den Merowingern als „Compendium“ zur Pfalz erkoren wurde. Nachfahren Karls des Großen scheuten zwischen 876 bis 987 keine Reisestrapaze, um in den Wäldern rings um „Carolopolis“ Hirsche und Wildschweine zu jagen – darunter vier vielsagende Namen wie Karl der Kahle und drei eher dekadente und geschichtlich wenig auffällige Ludwigs: der Fromme, der Faule und der Stammler. Letztere sind in der Kirche St. Saint-Corneille begraben, zwei Jahrhunderte später läuft ihr der Neubau der Kirche St. Jacques den Rang ab. Am Jakobsweg nach Santiago de Compostella gelegen, durfte sie sich im 13. Jahrhundert St.Jacques-le-Majeur nennen. Hier hat Jeanne d´Arc, Jungfrau von Orléans, am 23. Mai 1430, dem Tag ihrer Verhaftung durch die Engländer, ein letztes Gebet gen Himmel geschickt. Ohne Erfolg, wie man weiß; wenig später hauchte sie auf einem Scheiterhaufen in Rouen ihr Leben aus. König Ludwig der Fünfzehnte machte die Kirche im 18. Jahrhundert dank diverser Holzverkleidungen und barocker Elemente hoffähig. Ein Anblick, der auch heute noch einen Besuch lohnt - genau wie das 1751 erbaute Schloss, das Napoléon Bonaparte meist solo, Napoléon der Dritte dafür umso häufiger in Begleitung seiner reiselustigen Eugénie besuchte. Einen Steinwurf entfernt stehen nur noch das Rathaus, eine Templerkirche und ein 1380 von König Karl V. erbauter Festungsturm. Die beim Bau einer Tiefgarage gefundenen Relikte einer karolingischen Burg wurden kurzerhand ins Museum gebracht, der Rest zugeschüttet und darauf ein Billigmarkt installiert. Verloren, perdu. Kurz: Compiégne wurde zwar häufig eingenommen, einnehmend ist die Stadt nicht. Ganz anders dagegen die Landschaft ringsum. Sattgrüne 140 Quadratkilometer oder genau 14.417 Hektar misst der Wald jenseits der Stadt. Genug Platz, um Stunden, Tage oder Wochen in ihm zu verbringen – per pedes, auf dem Rad oder mit dem Auto. Zahlreiche Dörfer sind darin verborgen, zahllose Richtungsweiser an geschätzten 700 Wegekreuzungen helfen, den Weg zurück nach Compiégne zu finden. Napoléon III. hatte sie – so die Mär - für seine Angebetete aufstellen lassen, damit sie immer und überall den Weg zu ihm ins Schloss finden sollte.
l Pierrefonds: Märchenschloss à la Disney

Alle Dörfer im Wald zu besuchen ist allein eine Reise wert, das Highlight der sieben Örtchen hinter den sieben Hügeln ist jedoch zweifelsohne das Château de Pierrefonds. 1393 von Louis d´Orléans als Feste in den Wald gebaut, überstand sie über 200 Jahre unbeschadet die Zeitläufte, bevor Richelieu im Auftrag König Ludwig XIII. das Bollwerk 1617 schleifte. Mitte des 19. Jahrhunderts, die Romantik lässt grüßen, hauchte Napoléon der Dritte dem maroden Gemäuer wieder neues Leben ein. Zusammen mit Frankreichs Baulöwe Nummer 1 zu dieser Zeit: Viollet-le-Duc. Der hatte zuvor die Kirchen Nôtre Dame in Paris, in Vézelay und in der Burganlage von Carcassone restauriert und schien prädestiniert, auch Pierrefonds aus seinem Dornröschenschlaf zu befreien. Sein Ziel: Mittelalterliche Architektur mit Renaissance-Elementen und zeitgemäßem Gusto zu vereinen. Zwei Jahrzehnte dauerten die Bauarbeiten. Heraus kam ein Schloss, dass auf den ersten Blick an Neuschwanstein erinnert, beim näheren Hinsehen aber eher wie ein frühes Disneyland wirkt. Immerhin hat es während der Weltausstellung 1867 in Paris 160.000 Gäste in das Städtchen gelockt. Eine Zahl, von der die Präfekten aktuell nur träumen können. Möglich war der Run wegen der damals hochmodernen Eisenbahn, die zwischen Compiégne und Pierrefonds verkehrte. Wie das karolingische Erbe ist auch diese Bahnlinie stillgelegt und nie wiederbelebt worden.
l Chantilly: Chillen und grillen im Schlosspark

Da ist es heute einfacher und vor allem schneller, per Stadtbahn von Paris aus ein anderes Schmuckschloss der Picardie zu erreichen: das Château de Chantilly. Keine Frage: Es hat schon was, unvermittelt diesen zwischen dem 14. und 19. Jahrhundert erbauten Gebäudekomplex mit seiner wechselvollen Geschichte vor Augen zu haben. Die einstige Festung der Orgemonts, das Grand Château, wurde während der Französischen Revolution platt gemacht und danach mit diversen Auf- und Anbauten neu errichtet. Ende des 19. Jahrhunderts schenkte der Herzog von Aumale sein Schloss dem Institute de France mit der Bedingung, dass nichts verändert werden dürfe. Gesagt, getan: Neben dem Louvre in Paris beherbergt Chantilly heute die zweitgrößte Gemäldesammlung Frankreichs mit Werken aus der Zeit vor 1850 und sehenswertem Originalmobiliar aus drei Jahrhun-derten. Linkerhand fällt ein ähnlich gestaltetes Gemäuer ins Auge, das gern mit dem Stammschloss verwechselt wird, allerdings ausschließlich vierbeinige Bewohner hat: Tausende von edlen Pferden, die Chantilly weltweit als Hochburg des Galopp- und Trabrennsports berühmt gemacht haben. Die Stadt dahinter, Schloss, Gestüt und die riesige Parkanlage an einem Tag zu erkunden, ist schier unmöglich. Bleibt nur, sich zum Abschluss irgendwo in der Stadt die beste aller guten Crèmes schmecken zu lassen: die Crème Chantilly. Oder die standesgemäße Alternative zu wählen und einige hundert Meter durch den weitläufigen Park zum „Hameau“ zu wandeln. 1774 hat der damalige Schlossherr Prinz Pierre de Condé dort seine Sommerfrische eröffnet. Zaren und Kaiser, Emporkömmlinge und auch einen Baron d´Oberkirch empfangen, mit ihnen Feten gefeiert und sich darüber amüsiert, dass er Wasser zuhauf hatte, während das königliche Versailles leise vor sich hin dürstete. Monsieur d´Oberkirch war übrigens sehr angetan vom dort kreierten und servierten Dessert, er habe „nie zuvor eine so vorzügliche Crème gegessen“. Den Garten vor der alten Mühle umweht auch heute noch ein Hauch von Savoir vivre, klar, dass hier mit dem Blick auf fachwerkbunte, reetgedeckte Häuser auch Gourmands voll auf ihre Kosten kommen. Zum Beispiel mit einer Plat du jour rings um die Ente, von der Foie gras über Rillettes bis hin zum köstlich gefüllten Entenhals. Nun ja, Qualität hat ihren Preis, der Schmaus schlägt mit 23 Euro zu Buche, reicht aber für Zwei. Tröstlich, dass ein vergleichbarer Schmaus im knapp drei Stunden entfernten Köln sicherlich das Doppelte kosten würde. Dass die S-Bahn-Fahrt von hier zum Pariser Flughafen Charles de Gaulle zeitlich nur einem – leider entgangenen - Dessert entspricht, ist da nur ein schwacher Trost...
 
l Hin & Weg
l Lufthansa, Air France und diverse andere Veranstalter bieten Flüge ab Deutschland nach Paris ab 80 € pro Strecke an. Frühbucher erreichen die Picardie per Zug ab 49 €, mit dem Auto dauert die Fahrt ab Köln oder Freiburg etwa drei Stunden.
l Wohnen & Schlafen
l Auberge le Relais: Weitab vom Schuss in der Nähe von Château-Thierry gelegen, eine Oase der Ruhe. Sternekoch Martial Berthuit kocht regionale Küche vom Feinsten zum feinen Preis, die komfortablen Zimmer sind preislich moderater. www.relaisreuilly.com
l Auberge de la bonne Idée: Ideales Hotel in Saint-Jean-aux-Bois, um per pedes oder Rad die Wälder rings um Compiégne zu erkunden. 20 gemütliche Zimmer, Restaurant im Haus, DZ-Zimmer ab 85 €, inkl. HP 105 €. www.a-la-bonne-idee.fr
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Le Domaine de Montaigue: Fünf Zimmer vom Feinsten mit antikem Mobiliar in einem Gebäude aus dem 18. Jahrhundert; nahe Soissons, kleiner Park ringsum mit Pool, DZ ab 80 €, Fon: 0033-3-23.74.06.62, www.domainedemontaigue.com
l Trips & Tipps
l Chateau-Thierry: Champagne Pannier, 23, rue Roger Catillon, Château-Thierry, Fon : 0033-3-23.69.51.30, www.champagnepannier.com
l Chateau de Pierrefonds: Die Festung ist ganzjährig geöffnet.
Eintritt: Erwachsene 7 €, Kinder bis 14 frei,
www.pierrefonds-monuments-nationaux.fr
l Chateau de Chantilly: Natürlich kann man sich durch die Fluchten des Schlosses treiben lassen, sinnvoller ist es jedoch,
sich einer Führung anzuscjhließen.
Auch, weil die Privatgemächer sonst nicht zugänglich sind, www.domainedechantilly.com
l Infos & Mehr
l  Picardie: www.picardietourisme.com
l
Laon:
Office de Tourisme, Place du parvier Gautier de Motagne, Fon: 0033-3-23.20.28.62, www.ville-laon.fr

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