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FRANKREICH > LUBERON: Rendez-vous in Reillanne


FRANKREICH > LUBERON: Rendez-vous in Reillanne
Nationalpark Lubéron
Rendez-vous in Reillanne
Die einen suchen das legendäre Van-Gogh-Licht westlich der Rhône, für andere beginnt
die „echte“ Provence östlich von Avignon und reicht bis Sisteron, dem "Tor zur Haut-Provence".
Dazwischen liegen der Nationalpark Lubéron und vier der „schönsten Dörfer Frankreichs".


„Die schönste Ecke ist und bleibt die Haut Provence", nuschelt der graue Mittsechziger in dem kleinen Bistro am Marktplatz von Forcalquier. Legt den linken Unterarm auf die Zinntheke, nimmt seinen frühabendlichen Pastis zur Hand und schaut Beifall heischend in die Runde. Seine zwei Gesprächspartner nicken zustimmend, andere Gäste interessieren sich mehr für das Pferderennen, das wie immer um diese Zeit über den Bildschirm flimmert. 1,50 Euro ruft der Patron für das gut gefüllte Glas mit einem Schuss Wasser auf, Grund genug, „un autre“ zu bestellen. Und nebenbei zu erfahren, dass Hollywood-Beau „Braad Pidd“ und seine Angelique Jolie just um die Ecke für über 40 Millionen Euro das Château Miraval gekauft haben - inklusive Weingut, Ponyhof und See, ausgestattet mit 35 Zimmern, Schwimmbad und Heli-Landeplatz.

Zwischen den Flüsschen Coulon und Durance liegt der Lubéron, ein kleines Bergmassiv, das der Hochprovence ihr unverwechselbares Gesicht gibt: im Norden bewaldet mit tiefen Schluchten, im Süden buschig-mediterran mit sanften Hügeln. Besonders fruchtbar und damit ein landschaftliches Juwel ist der 1977 gegründete Parc Naturel Régional du Lubéron mit seinen sanften Hügeln, saftigen Wiesen und pittoresken Bergdörfern - 140.000 Hektar Natur pur rings um den Verwaltungssitz Apt. Die Römer hinterließen links und rechts der Via Domitia noch heute sichtbare Spuren, wegen ihres Glaubens verfolgte Albigenser und Katharer fanden in den teils unzugänglichen Tälern zwischen dem 13. und 16. Jahrhundert Zuflucht. Darunter auch die Anhänger des Pierre Valdès. Der französische „Robin Hood“ aus Lyon verteilte im Spätmittelalter sein Geld an die Bedürftigen und stellte sich gegen die übermächtige katholische Kirche, indem er die Bibel in der Sprache der Einheimischen unters Volk brachte. Lourmarin, heute einer der meist besuchten Orte im Lubéron, wurde derzeit gegründet wie auch Mérindol, Ménerbes und das Städtchen Bonnieux. Nicht weit entfernt und allemal den kleinen Abstecher wert liegt Roussillon. Architektonisch harmonisch der Landschaft angepasst, lockt der Ort Jahr für Jahr Heerscharen von Touristen an. Ziel: die Chaussée des Géants, die Straße der Riesen mit zahlreichen ockerfarbenen Felsnasen im „Feental“.



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Lacoste: "St. Tropez der Kultur"
Nur einen Steinwurf entfernt, auf der anderen Seite der N 100, thront die Burgfeste Lacoste. Bestens bekannt unter Historikern und Literaturfans als das Gemäuer, wohin der berühmt-berüchtigte Marquis de Sade 1768 mit Frau und Kindern vor seinen Häschern flüchtete. Läuft man spätabends durch die windigen dunklen Gassen des Felsenfleckens, schaudert´s einen angesichts der abweisenden Seelenlosigkeit des Ortes. Kaum zu glauben, dass Pierre Cardin das Bergnest zu seinem „Saint Tropez der Kultur“ erkoren hat und entsprechend aufhübschen möchte. Mehr als die Hälfte der aus dunklem Granit gebauten Häuser hat der Modezar inzwischen erworben, steht eines zum Verkauf, schlägt er kurzerhand erneut zu. Zahlt das Dreifache des üblichen Preises und kommt so seinem Ziel immer näher, sich neben der kurzlebigen Modewelt ein steinernes Denkmal zu setzen, das auch die nächsten Jahrhunderte überlebt. Zum Leidwesen der knapp 500 Einwohner, die sich mit provençalischer Gelassenheit und berechtigtem Zorn nicht von ihrer Scholle vertreiben lassen wollen. Zwar veranstaltet Cardin immer im Sommer ein Musik- und Theaterfestival, auch haben sich auf 200 Meter Wegstrecke inzwischen ein Hotel und sechs Galerien etabliert, Alltagsleben findet in Lacoste jedoch nicht mehr statt. Seitdem die verbliebenen paar Dutzend (Ur-)Einwohner durchgesetzt haben, dass abends die Lichter rings um die Rue Basse verlöschen müssen, gleicht der Ort nach Einbruch der Dunkelheit eher einem steinernen Albtraum als einem pittoresken Bergdorf.

l Reillanne: Pause mit Pizza und Pastis
Ganz anders präsentiert sich das klassisch-provençalische Reillanne, nur ein paar Autominuten östlich auf dem Weg nach Forcalquier gelegen. Gekrönt von der mittelalterlichen Ruine der Kirche Nôtre Dame de l´Assomption und den Resten der alten Burg wird dem Städtchen das Schicksal als Touristenmagnet wohl auch in Zukunft erspart bleiben. Der neue Fußballplatz am Ortsrand und die Renovierung der Altstadt haben sicher nur einen Bruchteil dessen gekostet, was in Lacoste und Lourmarin für Restaurierungen ausgegeben wurde. Natürlich ist Reillanne nicht Aix, Avignon oder Apt und Gott würde wohl auch woanders in Frankreich leben wollen - trotzdem ist der verschlafene Ort ideal gelegen, um die Region und den Lubéron per Rad, Auto oder zu Fuß zu erkunden. Ganz provinziell werden abends ab 22 Uhr die Bürgersteige rings um den Marktplatz hochgeklappt, hier und da brennen noch ein paar verstreute Lichter. Im einzig geöffneten Bistro gibt´s dann noch hausgemachte Crêpes, Panini und Salate; am Wochenende ergänzt ein Pizzawagen das kulinarische Angebot. Es sei den Franzosen vergönnt: Italienische Küche war ja schon zu römischen Zeiten der Renner an der Via Domitia…    Jochen Bleckmann

Service
l Hin & Weg
Auto: Klassisch über Mülhausen oder Basel/Genf nach Lyon und die Route de Soleil gen Süden; ab Avignon über die N 100 Richtung Apt. Eine knappe halbe Stunde später zeigt sich zur Linken Reillanne. Für Zeitlose empfiehlt sich die Route über die Schweiz und einen Teil der Route Napoléon bis Sisteron. Dann rechts ab und über Forcalquier weiter nach Reillanne.
Flieger: nächste Flughäfen: Marseille (ca. 90 Minuten Autofahrt) und Perpignan. Dort sind alle namhaften Autoverleiher präsent.
Zug: Reillanne selbst hat keinen Bahnhof. Am bequemsten ist die Anfahrt über Aix-en-Provence-Centre oder Aix-en-Provence-TGV. Etwas weiter liegen die Stationen Avignon-Centre und Avignon-TGV. Sollten Sie mit dem Mietwagen weiterreisen, beträgt die Distanz nach Reillanne jeweils etwa 90 Minuten. Der nächst gelegene Bahnhof ist Manosque, von dort aus sind es dann nochmals rund 20 Autominuten bis Reillanne. Von allen Bahnhöfen gibt´s auch regelmäßige Busverbindungen.
Tipp: Je nach Saison fährt von Hamburg, Hildesheim und Düsseldorf der DB-AutoZug nach Avignon. Apropos: Für alle internationalen Strecken ist 2011 das "Autozug-Spezial" buchbar: Fahrzeugtransport inklusive einer Person im Liegewagen kostet pro Strecke je nach Verfügbarkeit 149 Euro, Mitfahrer zahlen jeweils 60 Euro pro Person. Das Spezial kann spätestens bis sieben Tage vor Abfahrt gebucht werden. Bucht man die Autozug-Fahrt ab sechs Tage vor dem jeweiligen Abfahrtsdatum, kommt das "Last-Minute Angebot" zum Tragen: 15 Prozent Ermäßigung auf den Normalpreis bei allen Reisen nach Frankreich, Italien, Österreich und innerhalb Deutschlands. Zeiten und Preise unter www.dbautozug.de



l Wohnen & Schlafen
l Reillanne: Thomas und Heleen Ferkranns - Mitten in der Altstadt, zwei Gehminuten vom Markt entfernt, führt das holländische Paar ein mittelalterliches, renoviertes Bed&Breakfast-Haus mit drei Etagen, das gefühlt genau das ist, ws man als Bleibe in der Provence sucht. Preise: ab 50 € pro Appartement. Rue Daniel Reynaud, Fon: 0033-4-92-76.58.71, www.vacances-en-luberon.com
Oustaou di Barri - Im Schatten der mittelalterlichen Burganlage und der Ruine der Kirche Nôtre Dame de l´Assomption steht das „Haus der Stadtmauern“, ein fünf Gehminuten vom Marktplatz entferntes Bed-&-Breakfast-Schmuckstück mit drei Zimmern, das von Elisabeth und ihrem Mann Bernard geführt und liebevoll gepflegt wird. Reise: ab 45 € pro Zimmer. www.oustaou-di-barri.com
Auberge de ReillanneDas Haus liegt zwei Kilometer unterhalb des Ortes, die sieben Zimmer sind steinalt im wahrsten Sinne des Wortes. Jedes individuell eingerichtet im provençalischen Stil, dank dicker Mauern fühlt man sich auch in der ländlichen Umgebung sicher und wohlbehütet. Und: Reillanne ist auch zu Fuß erreichbar. Fon: 04-92-76.45.95, www.zimmer-mit-charme.eu
l Lourmarin: Le Moulin de Lourmarin – Im Süden des Lubéron gelegen ist die schmucke Ex-Ölmühle aus dem 18. Jahrhundert ideal für jeden, der mal schnell nach Aix-en-Provence oder in den Nationalpark möchte. Schmucke Gässchen liegen vor der Tür, die Promidichte ist relativ hoch. Preis pro Zimmer: ab 120 €. Fon: 40-90-68.06.69, Internet: www.silicon.fr/lourmarin
l Mane: Le Mas du Pont Roman - Die Platanenallee auf dem Weg zu diesem schnuckeligen Häuschen macht allein schon Appetit darauf, hier sein „Zelt“ für die Erkundung der Haut-Provence aufzuschlagen. Liebevoll eingerichtete Zimmer, das Frühstück serviert im feinst arrangierten provençalischen Ambiente – der Lubéron im Westen, die Haut-Provence im Osten. Alles ab 80 € fürs Zimmer, Fon: 0033-4-92.75.49.46, Internet: www.pontroman.com
l Forcalquier: Hostellerie des Deux Lions - Nun ja, montags ist Markttag, an anderen Tagen führt das einst von vier Fürstinnen bewohnte Städtchen ein eher beschauliches Dasein. Die zwei Löwen wachen über die Ex-Poststation mit 28 Zimmern aus dem 17. Jahrhundert am Place du Bourguet, der Markt ist gleich gegenüber, Mane magnifique und die Route Napoléon sind nicht weit. Preise: ab 60 €. Fürs DZ. Fon: 0033-4-92.75.25.30

l Kunst & Kultur
l Salagon: Im 12. Jahrhundert im Westen von Mane von Benediktinern erbaut, spiegelt das Kloster heute noch die einst imposante Stellung für die Region wider. Natürlich ist es ein „Monument historique“, mit seinen botanischen Gärten (angelegt zwischen dem 16. Und 19. Jahrhundert, über 600 Gewürz- und Heilpflanzen) und der Begräbniskirche mit Steinsärgen aus dem 5. Und 6. Jahrhundert.
l Sauvan: Schon 1957 wurde das Château de Sauvan als französisches „Nationalmonument“ geadelt. Knapp 15 Autominuten von Reillanne entfernt, ist das „Petit Trianon de Provence“ ein eindrucksvolles Schloss, das jedem sicher in Erinnerung bleibt. 1719 wurde mit seinem Bau nach Plänen des berühmten Jean-Baptist Franque aus Avignon begonnen, seine klassische und majestätische Fassade war Vorbild für viele Gebäude in Mane und Forcalquier.

l Tipps & Trips
l Moustier: Schon vor 1500 Jahren hatten Mönchein den hiesigen Grotten ein Felsenkloster erbaut. Daraus entwickelte sich ein stark befestigtes Verwaltungszentrum der Grafen der Provence. Die Lage an mehreren Bächen brachte dem Städtchen im 17. Jahrhundert eine Blütezeit dank dort gefertigter kunstvoller Fayencen – zu sehen im Museum. Über den zum Teil stark ansteigenden Vierteln thront die Wallfahrtskapelle Notre-Dame-de-Beauvoir mit einem Langhaus aus dem 12. Jahrhundert.
lForcalquier: Eine der attraktivsten Städte des Departements. Im 12. Jahrhundert war der Ort Hauptstadt der Haut-Provence, später Residenz provençalischer Grafen. Montags ist Markttag, dann zeigt sich die Stadt von ihrer besten Seite. Unzählige Stände mit regionalen Spezialitäten stehen dann an der Place du Bourguet und in den umliegenden Sträßchen. Der Name Forcalquier stammt aus römischer Zeit. An der hier verlaufenden Via Domitia bauten sie Brennöfen, furni calcarii, ins Kalkgestein.
l Mane: Ein wenig spürt man auch heute noch, wie wichtig der Ort schon für das Alte Rom war. Mehrere Straßen laufen hier aus allen Himmelsrichtungen zusammen, heute flankiert von steinalten Platanen. Die Römer nannten die hier beginnende N 100 einst Via Domitia, eine alte Brücke ist heute noch Zeugnis für die jahrhundertelange strategische Wichtigkeit des Städtchens.

l Lourmarin: eines der schönsten Dörfer im Süd-Luberon. Das Städtchen wirkt ein wenig aufgeräumter als andere in der Provence. Ein paar Gässchen, gespickt mit Cafés, Restaurants, Shops und Galerien, alles sehr stilvoll und einen Tick teurer als anderswo. Man trifft sich im „Café de la Fontaine“, bummelt ein wenig Richtung Schloss, die „Villa Medici der Provence“, mit Glück trifft man vielleicht den hiesigen „Winzerkönig“ Gérard Dépardieu.

l Gordes: Der Anblick des Ortes nördlich der N 100 und oberhalb des Tales der Coulon ist allein schon den Tagesausflug wert. Nicht umsonst ist Gordes mit seinen Arkaden und seiner „Skyline“ einer der meistbesuchten Stätten des Lubéron. Weitere Highlights: das Vasarely-Museum und das „Village des Bories“, teils 500 Jahre alte Steinhütten ähnlich den Nuraghen auf Sardinien.

l Infos & Mehr
Maison de la France, PF 100128, 60001 Frankfurt am Main, Fon: 090.01-57.00.25 (0,49 € p.M.), www.franceguide.com


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