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INSELN, BERGE & MEHR

Lanzarote: Leben auf dem Vulkan
Lava-Gala im kleinen Schwarzen
Seinen Namen verdankt das Eiland dem Genueser Kapitän Lanceletto
Malocello, der es um 1380 auf seinen Entdeckungsreisen entdeckte. Spätere
Seefahrer gaben ihr den Namen Isla Afortunada, „Glückliche Insel“.

Knapp zwanzig Jahre mag es her sein
, dass ich erstmals einen Fuß auf die nordöstlichste der Kanarischen Inseln setzte. Eine Einladung. Ein befreundetes Pärchen hatte aus mir schleierhaften Gründen Lanzarote auserkoren, um das Einerlei des Ruhrpottalltags gegen eine völlig neue Lebensform zu tauschen. „Frag´mich nicht, warum. Erst war´s ein Last-Minute-Trip, dann wollten wir nur noch dableiben“, war sein damaliger Kommentar. Ein Häuschen war schnell gefunden – hallo, wer wollte schon Ende der 1980-er auf eine durchweg dunkle, kahle, Insel, die geschätzt genau so viele Einwohner hatte wie weiße kubische Häuser. Ganz wenige nämlich, weit verteilt und hingesprenkelt in eine Vulkanlandschaft, deren Reize sich auch beim zweiten Hingucken nicht unbedingt erschließen wollten. Der erste war ernüchternd genug: Straßen, die ihrem Namen nicht gerecht wurden, trockene Hitze über einem Land, dessen Kargheit jeder noch so widerstandsfähigen Kreatur das Letzte abverlangen dürfte. Sieht man nachts überhaupt noch etwas auf einem Eiland, das von Natur aus schon pechschwarz ist? Der nächste Tag brachte zum Glück ein wenig Licht ins Dunkel. Ein wenig hatte ich ja in der Zwischenzeit schon erfahren: Mehr als hundert Vulkane sollte es auf der viertgrößten der Kanarischen Inseln geben; einen berühmten einheimischen Architekten, der es sich zum Lebensziel gemacht hatte, seine Vision vom Einklang zwischen Mensch und Natur genau hier umzusetzen; Weinberge sollte es im Inselinneren geben, im Süden sogar feinsandige Strände. Und in irgendeiner Höhle gäbe es blinde Fische oder Krebse, die sonst nur in der Tiefsee leben würden. Schau´n mer mal...

Erst einmal muss geklärt werden, ob ich Gefahr laufe, bei einem Inseltrip plötzlich vom Erdboden zu verschwinden und mich in irgendeinem heißen Loch wiederzufinden oder ein zweites Pompeji womöglich denkbar ist. „Quatsch“, höre ich, „das letzte Mal, dass hier irgendwas ausgebrochen ist, war vor fast 200 Jahren.“ Tröstlich. Die Landschaft, so wie sie sich heute zeigt, bildete sich in den Jahren 1730 bis 1736, ermittelten Geologen. Seitdem herrscht relative Ruhe. Bis heute. Nur im Nationalpark Timanfaya ist sie trügerisch. Der Weg dahin ist heute bequem zu befahren. Damals glich sie eher dem Vorhof zur Hölle. Am Ziel, einem dampfenden Loch im Boden eines Vulkanhügels, wartete ein Lanzaroteno mit einem Eimer Wasser in der Hand, schüttete den Inhalt in dasselbe und freute sich über das schnell zurückweichende Grüppchen, das flink versuchte, der sekundenschnell aufsteigenden dampfenden Fontäne so schnell wie möglich zu entkommen. Wo einst touristisches Niemandsland war, steht inzwischen das Restaurante del Diablo, natürlich mit Geflügel vom Geysirgrill als Spezialität. Der klapprige Seat gibt auf dem Weg zurück sein Bestes. Durchs Seitenfenster sehe ich die wie kleine Krater angelegten Rebstöcke in La Geria, hier und da inseltypisch weiß gekalkte kubische Häuschen und immer wieder bizarre Lavaformationen, wie geschaffen für einen, der lieber im Untergrund etwas gestalten wollte als sich dem Bauwahn der anderen kanarischen Inselregierungen zu jener Zeit anzuschließen: César Manrique, Einheimischer und Architekt und bekanntester Mann der Insel. Bis zu seinem Tod 1992 tat er alles, um das charaktervolle Gesicht „seiner“ Insel zu bewahren. Mal baute er Lavagrotten wie die Jameos del Agua zu einem Konzertsaal um, mal trieb er Löcher in die Steilküste im Nordwesten Lanzarotes, um mit dem Mirador del Río den spektakulärsten Panoramablick der Insel zu kreieren.
Lanzarote liegt im Nordosten des kanarischen Archipels im Atlantik, knapp vier Flugstunden von Deutschland und 140 Kilometer von der Küste Afrikas entfernt. 1994 erklärte die UNESCO das knapp 60 Kilometer lange und maximal 20 Kilometer breite Eiland zum Biosphärenreservat. Seine Gesamtfläche misst inklusive aller bewohnten (La Graciosa) und unbewohnten Inseln etwa 800 Quadratkilometer, offiziell leben dort knapp 130.000 Einwohner, in der Hauptstadt Arrecife allein 55.000.
Fischfang und Landwirtschaft waren über Jahrhunderte die wirtschaftliche Basis Lanzarotes. In den letzten Jahrzehnten wurde der Tourismus immer wichtiger, eine gute Infrastruktur und gehobener Standard in der Hotellerie und Gastronomie zeugen davon. Neben einigen kleineren haben sich vier größere touristische Zentren etabliert: Allen voran natürlich die Inselhauptstadt Arrecife, dann Playa Blanca am südlichsten „Zipfel“ der Insel, Puerto del Carmen im Süden und Costa Teguise an der Südostküste. Nicht zu vergessen: Die zahllosen „Erbstücke“, die Lanzarotes berühmtester Sohn, der Architekt César Manrique, der Nachwelt hinterlassen hat. Und natürlich eine grandiose Natur, deren Vielfalt mitunter atemberaubend ist...
Jochen Bleckmann


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Tipps & Trips
o Arrecife, das „Felsenriff“, war einst nur der Hafen für die im Inselinneren gelegene Hauptstadt Teguise. Viel ist nicht mehr geblieben aus dieser Zeit, optisches Highlight ist dasCastillo de San Gabriel, das auf einer Insel vor der Uferpromenade thront und die Einwohner bis ins 19. Jahrhundert vor Piraten schützen sollte. In seinen Mauern findet sich heute das Archäologische Museum mit zahlreichen Fundstücken aus altkanarischer Zeit. An der Promenade steht noch die Casa de los Arroyo aus dem 18. Jahrhundert, die meisten anderen historischen Gebäude überstanden den Aufbruch ins neue, touristisch orientierte Zeitalter jedoch nicht. Im Osten der Stadt steht noch das Castillo de San José, das Lanzarotes Stararchitekt César Manrique in den 1990-er Jahren restaurieren und zu einem Museum der Modernen Kunst umbauen ließ.
o Der ursprüngliche Fischerort Playa Blanca mit seiner schönen Altstadt war bis vor wenigen Jahren die Nummer 1 für Individualtouristen auf Lanzarote. Klimatisch herrscht in diesem sonnenverwöhnten Ort speziell im Winter das angenehmste Wetter auf der Insel. Um die Ecke liegen die per pedes erreichbaren feinsandigen Papagayostrände. Für die nahe Zukunft ist der Bau eines 18-Loch-Golfplatzes gebaut, zurzeit liegen die Pläne jedoch auf Eis.
o Puerto del Carmen ist die älteste und größte südliche Ansiedlung mit kilometerlangen Naturstränden, einer pittoresken Altstadt und unzähligen Restaurants, Cafés und Geschäften jeder Art. Hotelburgen, wie etwa auf Teneriffa oder Gran Canaria, gibt´s hier nicht.
o Die Costa Teguise war vor zwei Jahrzehnten nicht mehr als eine schroffe Vulkanlandschaft ohne natürliche Sandstrände, heute bietet der nur zehn Autominuten von der Hauptstadt Arrecife entfernte Ort auf knapp 20 Quadratkilometern alles, was man sich als Urlauber wünscht: vom Einkaufszentrum über angeschüttete Sandstrände und Restaurants bis zu Sportanlagen – nicht zu vergessen das Haus, das dem spanischen König Juan Carlos gehört.
o Schon seit 1974 ist der Parque Nacional de Timanfaya im Südwesten Lanzarotes Nationalpark. Seine gesamte Fläche von knapp 50 Quadratkilometern ist vulkanischen Ursprungs, letztmals bebte dort die Erde zwischen 1730 und 1736. Die bekanntesten Vulkane sind La Montaña de Fuego, La Caldera del Corazoncillo und Montaña Rajada, in ihrem Umfeld steigen heiße Dämpfe mit Temperaturen bis zu 600 Grad aus metertiefen Löchern auf. Faszinierend ist die Flora: Mehr als 180 Pflanzenarten haben dort Wurzeln geschlagen.
o Teguise, bis 1852 die Hauptstadt von Lanzarote und historischer Mittelpunkt der Insel, ist eines der wichtigsten Kultur- und Touristenzentren. Die lange Geschichte der Stadt geht zurück bis zu den Ureinwohnern Lanzarotes, den Guanchen, von den Einheimischen „Majos” genannt. Das Leben damals spielte sich rund um die Villa la Gran Aldea de Acatife ab.

l Kunst&Kultur
o Die César-Manrique-Stiftung (FCM) ist eine 1992 in Taro de Tahiche, dem ehemaligen Wohnhaus des Allround-Künstlers, eröffnete Kulturstätte. Manrique schuf eigenhändig die Hauptattraktion: das Gebäude selbst. Darin finden sich zwei wichtige Sammlungen: eine zeitgenössische mit zahlreichen Kunstwerken, die Manrique gehörten und größtenteils aus den Werken von Künstlern seiner Generation besteht. Und eine mit eigenen Werken des Allrounders mit den Themen Landschaftsgestaltung (Zusammenspiel Kunst-Umwelt), Skizzen und Entwürfe (Wandmalereien, bewegliche Skulpturen und Keramikarbeiten). Telefon: 928.84.31.38 / 928.84.30.70. Tägliche Öffnungszeiten: 10 bis 18 Uhr, Infos: www.fcmanrique.org
o Im Castillo de San José, einer vom spanischen König Carlos III. 1776 erbauten Festung, residiert heute das Museo Internacional de Arte Contemporáneo, das Internationale Museum für Zeitgenössische Kunst. Die Lanzarotenos nennen das Gebäude „Festung des Hungers”, erinnernd an Zeiten, in denen Krankheiten, Hunger und Durst viele Insulaner dahinrafften.
o Die Burg Santa Bárbara, das Castillo de Guanapay, ist heute ebenfalls ein Museum. Von hier oben hat man den schönsten Blick auf Teguise. Im 16. Jahrhundert von Sancho de Herrera erst als Wachturm auf der Spitze des Guanapay-Hügels errichtet, wurde er 1588 von Leonardo Torriani, einem italienischen Ingenieur im Dienste König Felipe II., zu einer Festung ausgebaut.
o Für Fans des ägyptischen Filmstars Omar Sharif ist das Örtchen Lagomar mit dem gleichnamigen Museum im Hause der Hollywood-Ikone ein Muss. Von der Terrasse seines Hauses genoss „Doktor Schiwago“ die tolle Aussicht über die Insel – bis er es dann sang- und klaglos verspielte...

l Wohnen & Schlafen
o Die Finca La Crucita, im Norden der Insel bei Haria gelegen, mag auf den ersten Blick weit ab zu sein von allem. Und doch ist es ein inseltypisches Refugium vom Feinsten und zudem angesichts feinst von der EU mitfinanzierter Straßen eben doch eine gute Adresse. 21 Zimmer sind verteilt auf acht Häuser, die wiederum sind eingebettet in einen 7500 qm großen Hain, in dem manche Palmen schon mehr als 100 Jahre alt sind. Zimmer für bis zu acht Personen gibt´s schon ab 80 € die Nacht. San Juan 63, www.laterooms.com


l Mit drei dabei

l Kunst & Kultur Der Mirador del Río ist Manriques wichtigstes Werk. Der Aussichtspunkt am Nordende der Insel - auf der Spitze einer fast 500 Meter hohen Klippe - erlaubt einen einzigartigen Blick auf das Chinijo-Archipel mit seiner Hauptinsel La Graciosa.

l Schlendern & Schauen Einen Einblick in die Unterwelt der Insel geben die Jameos del Agua im Norden Lanzarotes, am Fuße des vor drei Jahrtausenden ausgebrochenen Vulkans Monte de la Corona gelegen. Seine unterirdischen Gänge – inklusive der Cueva de los Verdes - durchziehen das Gestein auf über sechs Kilometer Länge bis hin zum Meer. Es ist damit das längste vulkanische Höhlensystem der Welt. Unübersehbar hat César Manrique auch hier seine künstlerischen Spuren hinterlassen.

l Essen & Trinken In einer 1775 erstmals genannten Bodega befindet sich heute das Weinmuseum El Grifo. Ganzjährig werden dort Weinproben angeboten, im Angebot sind inseltypische Weine und regionales Kunsthandwerk.

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