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FÄRÖER > Stürmisch: Chillen mit Charme und Schafen
Tiefe Melancholie im hohen Norden
Chillen mit Charme und Schafen
Färöer – so geheimnisvoll wie ihr Name sind auch die 18 Inseln, die das
Atlantik-Archipel zwischen Island und Schottland bilden. Kein Ziel für den
Massentourismus, dank seiner bizarren Schönheit aber allemal eine Reise wert...


Mag sein, dass die Fahrt der Wikinger über den rauhen Atlantik einst ein echtes Abenteuer war – leicht zu erreichen sind die Färöer-Inseln auch heute noch nicht. Man muss schon hin wollen auf das unwirtliche Archipel im hohen Norden, das nur selten in den Schlagzeilen erscheint. Wenn überhaupt, dann in Sachen Fußball. Aktuell spielen die heimischen Hobbykicker um die Qualifikation zur Fußball-EM 2012. Spielort: Tórshavn auf der Hauptinsel Streymoy, mit knapp 16.000 Einwohnern die kleinste Hauptstadt der Welt mit dem auch kleinsten Stadion dieser Spielklasse. Vom Zentrum aus ist es bequem zu Fuß zu erreichen, der Weg zurück ans Meer dauert nur wenige Minuten. Er führt durch die Altstadt mit ihren rot und schwarz gestrichenen, mit Grassoden bedachten Häuschen. Malerisch schlängeln sich die Gässchen hinunter zum alten Hafen, in dem norwegische und dänische Händler über Jahrhunderte ihre Waren ausluden.


Will man den Blick von oben genießen, müssen zuvor ein paar Höhenmeter überwunden werden. Fließend geht die Alt- in die Neustadt über, wie hingetupft prägen pastellfarbige Häuser die überschaubare „Skyline“ des Ortes. Je höher man kommt, umso grandioser wird der Blick auf die Landschaft ringsum: Hunderte Meter hoch sind die steil abfallenden Vulkanhänge, tief und dunkel enden sie in malerischen Fjorden. Zahllose Bäche und Rinnsale durchziehen das dünne Grün der Wiesen auf steinaltem Fels. Nur einen Steinwurf entfernt, im nahen Vestmanna,  wächst die Natur über sich hinaus: 600 Meter hoch reckt sich die Steilküste dort senkrecht in den Himmel, einzig bewohnt von zahllosen Seevögeln, die vor der majestätischen Kulisse ihre Kreise ziehen. Dagegen wirkt eine weitere Attraktion im Norden, der mit über 140 Metern höchste Wasserfall der Insel, fast verschwindend klein. Auf Eysturoy, einem Eiland im Osten von Streymoy, ,wartet der nächste Superlativ: der mit 882 Metern höchste Berg der Färöer. Ihn zu erklimmen, ist über die Ostflanke eine eher leichte Übung. Ist der Gipfel dann erreicht, geht der Blick weit über das gesamte Archipel. So auch auf die sechs Nordinseln. Ein, manchmal zwei Mal am Tag verkehren zwischen ihnen zwei schwarz-weiße alte Postschiffe, die sich bei Wind und Wetter von Insel zu Insel kämpfen. Mal laufen sie Kalsoy an mit der atemberaubenden Steilküste auf der einen und idyllischen Tälern auf der anderen Seite, mal Kunoy, in dessen „Metropole“ Klaksvik die Dänen 1838 eine Filiale des königlichen Monopolhandels errichteten.

l Sister-Act mit Superlativen
Insgesamt leben heute 50.000 Färinger auf den achtzehn Eilanden, einzig unbewohnt ist das karge Lítla Dímun. Wie Grönland sind die Färöer seit 1948 eine gleichberechtigte Nation innerhalb Dänemarks, jedoch nicht Mitglied der EU. Gesetze und Verfügungen werden im eigenen Parlament verabschiedet. Schon 1350 wurde dort der heute noch gültige „Hundebrief“ in Kraft gesetzt, die Lizenz zum Töten eines bissigen Vierbeiners. Irische Mönche waren im 7. Jahrhundert die Ersten, die einen Fuß auf die Inseln setzten. Wenig später folgten die Wikinger und hielten auf einer kleinen Klippe am heutigen Hafen von Tórshavn ihre Versammlungen ab – und schufen damit das älteste Parlament der Welt, älter als das in Island. Neugierig geworden, erreichte vor knapp tausend Jahren der norwegische König Olaf II. das Archipel und erklärte das nahe gelegene Örtchen Kirjuböur zum ersten Bischofssitz in der Fremde - die kleine aber eindrucksvolle Ruine des St. Magnus-Doms zeugt noch heute davon. Gleich daneben steht ein Bauernhof, der von einer Familie inzwischen schon in der 17. Generation bewohnt wird. Natürlich hat die Moderne auch hier Einzug gehalten, den Charme konnte dies dem steinalten Gebäude aber nicht nehmen. Das Holz in der gemütlichen Rauchstube „roykstovan“ ist teils 700 Jahre alt, fast demütig geht man mit geneigtem Kopf durch die Räume. Ihren Lebensunterhalt bestritten die Insulaner damals wie heute mit Schafen, die auch ihrer Heimat den Namen gaben: Schafsinseln.


Viel kleiner, aber nicht weniger interessant sind die südlich vorgelagerten Inselchen Nólsoy, Hestur und Koltur. Das an eine Schildkröte erinnernde Nólsoy beheimatet die größte Sturmschwalbenkolonie der Welt, große Brandungshöhlen fressen sich immer weiter in die Steilküste des kargen Eilands. An einer Landenge trotzt eine Handvoll Häuser dem Meer und dem ewigen Ostwind. Hestur gleicht landschaftlich der größeren Inselschwester, bietet jedoch bei gutem Wetter einen akustischen Leckerbissen: In den Grotten werden regelmäßig Konzerte gegeben. Die kann das benachbarte Inselchen Koltur zwar nicht bieten, dafür aber im Schatten des 477 Meter hohen Kolturshamar ein einzigartiges Haus: den Jahrhunderte alten Hof Heimi í Húsi. Wer will, kann dort Ferien machen, die Entdeckung der Einsamkeit inklusive. Heute ist die Stadt der bedeutendste Fischereihafen der Färöer. Hier werden noch immer Grindwale angelandet, neben Schafen Hauptnahrungsmittel der Färinger, auf deren Boden außer Kartoffeln wenig Nahrhaftes wächst. Trotz der Lage am Golfstrom, der die Temperaturen im Winter nur selten auf Minusgrade sinken lässt, müssen Obst und Gemüse zum größten Teil importiert werden. Im Gegensatz zu einem putzigen Vogel, der zu Hunderttausenden das Archipel bevölkert und umfliegt – der Papageientaucher ist wohl gerade deshalb traditionell ein Leckerbissen für die Färinger. Mit Rosinenteig gefüllt und in Salzwasser gegart lassen sich die einen das Geflügel mit Pellkartoffeln und Marmelade schmecken, andere schwören auf gegrillte Papageienbrust mit Muscheln und Speck.

So landestypisch gestärkt sollte man sich zum Dessert an den nächsten Tagen die fünf verbleibenden Inselchen gönnen, jede für sich einen Tagesausflug wert. Auf Mykines lebte im 6. Jahrhundert einsam und verlassen der irische Mönch St. Brendan, der Wikinger Torkil Onundarson ließ sich im 13. Jahrhundert auf Vágar nieder. Auf Sandur gibt´s breite Sandstrände und auch Skúvoy hat seine landschaftlichen Reize. Last not least wartet noch Suduroy, die südlichste Insel der Färöer. Man sagt, die Menschen hier seien temperamentvoller und aufgeschlossener als die anderen Insulaner. Vielleicht, weil der sonnige Süden nirgendwo näher ist als hier…                                                                                                                            Jochen Bleckmann

l Mit drei dabei


l AUTOPAKET Bei Mitnahme des eigenen Autos kostet die Fährpassage Esbjerg/Dänemark-Tórshavn und zurück inklusive PKW in der Nebensaison ab 207 € pro Person. Die größeren Inseln sind durch Brücken und Tunnel verbunden, die Färöer auf eigene Faust zu erkunden ist also kein Problem www.smyrilline.de.
l BUSPACKAGE Wer Kreuzfahrt mit einer Rundreise über die Inseln kombinieren möchte, ist mit dem Bus-/Fährpaket bestens versorgt. Im Preis ab 689 € pro Person in der Nebensaison sind Überfahrt, Übernachtungen mit Frühstück, deutsche Reiseleitung und alle Ausflüge enthalten www.smyrilline.de.
l DOPPELPACK Am günstigsten kommt man zu zweit im Herbst auf seine Kosten - und sieht neben den Färöern auch noch Island. Auf der "Wikingerkreuzfahrt" zahlt nur eine Person, die zweite reist gratis mit. Im Preis enthalten: Überfahrt Hirtshals-Tórshavn-Seyðisfjörður und zurück mit der MS Norröna, Aufenthalte auf den Schafsinseln und auf Island. Es empfiehlt sich, an Bord für 120€ pro Person Halbpension zu buchen. Preis für zwei Personen in der Innenkabine: 399 €, selber Preis für Alleinreisende in einer Einzel-Außenkabine www.smyrilline.de.

l Infos & Mehr
l Das umfangreichste Programm, die Färöer pauschal zu bereisen - inklusive An-/Abreise, Unterkunft und Besuch der Inseln -, bietet Nordwind Reisen in Memmingen. Fon: 08331-87073, www.NordwindReisen.com
l Individuelle Fährpassagen inklusive diverser Pauschalen und Angebote kann man über www.smyrilline.de organisieren. Die Fähren fahren in Esbjerg oder Hartsholm im Norden Dänemarks ab, Endziel ist Island mit Stopp auf den Färöern.

I Wohnen & Schlafen
I Guesthouse Skansin,
Mi Jekaragta 8, Tórshavn, DZ ab 74 €, www.agoda.de
I
Hotel Tórshavn,
Torsgota 4, Tórshavn, DZ ab 114 €, www.agoda.de
I Hotel Streym, Yviri Ved Strond 19, Tórshavn, DZ ab 134 €, www.agoda.de

 

 

 

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