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ISLAND > Abenteuerlich: Offroad über Stock und Stein
Unterwegs im "Golden Circle"
Gletscher, Gullfoss und Geysire
Ein europaweiter Ascheregen brachte Island im Sommer 2010 über Wochen in die Schlagzeilen. Herausgeschleudert von einem Vulkan mit unaussprechlichem Namen. Die Lage ist wieder entspannt, die Gelegenheit also günstig, das Land gefahrlos zu erkunden - per Geländewagen, abseits der Asphaltstraßen...
 

Für einen Sommertag ist es verdammt kalt in Reykjavík. Zehn Grad. Viel Zeit, sich an widrige Temperaturen zu gewöhnen, bleibt nicht an diesem Abend. Transfer ins Hotel, einchecken, ein kurzer Blick auf die Land-Rover-Armada hinter dem Haus, ein Bummel noch durch die Altstadt, essen, schlafen. Am nächsten Morgen: Aufstehen um 6.30 Uhr. Duschen, anziehen, frühstücken. Jeder kriegt sein „Experience“-Käppi, dazu das passende Hemd. Dann werden die Teams zusammen gestellt, die „Discoverys“ (Automatik-V6-Turbodiesel, 2,7 l Hubraum, 2,7 Tonnen Gewicht, 180 km/h Spitze) geentert und los geht´s. Erst mal raus aus der Stadt und Richtung Hekla-Gletscher. Dann runter von der Asphaltpiste und rauf auf den Schotter. Ziel: der imposante Gulfoss-Wasserfall und der legendäre Geysir. Hin käme man auch auf befestigten Straßen – wir kämpfen uns über steile Anstiege, durch tiefe Löcher und nasse Flussdurch-fahrten. Plötzlich stockt die Karawane. Ein Kapitän der Landstraße bleibt in einem vermeintlichen Rinnsal stecken. Mittendrin geht plötzlich gar nichts mehr – weder vor, noch zurück. Was tun? Per Seil soll der Land Rover mit der Winde wieder flott gemacht werden. Also: Klamotten aus, rein ins vier Grad kalte Wasser und das Seil befestigt. Die Winde besorgt den Rest. Und weiter geht´s. Nachmittags Suppen-Stopp mit Blick auf den brodelnden Geysir (alle zehn Minuten schickt er eine Heißwasserfontäne in den Himmel), dann kurze Stippvisite am Wasserfall und wieder rein in die unglaublich wild-schöne Natur. Ohne Problem wühlen sich die Allrad-Discoverys über Stock und Stein. Den Vulkan können wir knicken – schwere Regenwolken sind aufgezogen, die Sicht dort oben auf knapp 1500 Meter ist gleich null. Egal, die Zeit wird knapp, wir wollen noch im Hellen die heißen Quellen bei Landmannalaugar erreichen. Im strömenden Regen kommen wir an. Und sind nicht die Einzigen. Schon da: Weltenbummler aus aller Herren Länder, die mit ihren Allrad getriebenen Unimogs und VW-Bussen einmal Natur pur erleben möchten und die zu zweit knapp 2000 Euro teure Fährpassage nicht gescheut haben. Dann schnell die Plane zwischen den „Landys“ aufgespannt und den Grill angeschmissen. Um Mitternacht ist Schicht – wir krabbeln in die praktischen Dachzelte. Außentemperatur: fünf Grad, über Nacht sollten es null werden...



l Das Grollen des Geysirs...
Hat ja was, irgendwo in der Weite Islands unvermittelt vor dem verheißungsvollen Stein mit dem eingemeißelten Wort "Geysir" zu stehen. Weit kann es jetzt nicht mehr sein, dieses Wasserdampf speiende Erdloch, das allen speienden Erdlöchern dieser Welt den Namen und Island eine Menge Touristen beschert hat. Doch da, wo er, der Geysir, alle sechs Minuten mit großem Getöse aktiv werden soll, tut sich nichts. Gar nichts. Ruhig und verhalten dampfend dümpelt ein knapp 20 Quadratmeter großer, wassergefüllter Krater vor sich hin. Hundert Grad heiß sei der türkisfarben schillernde Tümpel, warnt ein Schild. Die Minuten vergehen. Der große Geysir schweigt. Plötzlich schwingen die Köpfe und Kameras der Schaulustigen fünfzig Meter nach links. Dort spritzt mit einem kurzen, harten „Pfffft“ eine Wasserfontäne gen Himmel, um Sekunden später wieder in sich zusammen zu fallen und leise gurgelnd in einem Loch zu verschwinden.
Island, Insel der Gletscher und Geysire – das Naturschauspiel ist nur eine Station auf der sechs- oder neuntägigen „Experience-Tour“ über das Eiland. Gestartet waren wir mit unserem Geländewagen in Islands Hauptstadt Reykjavík. Dort hatte der norwegische König Ingolfur Arnarson im Jahr 874 erstmals seinen Fuß auf den Boden gesetzt. Genauso wenig wie sein Häufchen Unverdrossener hatten wir uns nicht abschrecken lassen von der eisigen Kälte nachts und unwegsamem Gelände bis zum Horizont tagsüber. Die relativ bequeme Fahrt im allradgetriebenen Offroader vermittelt nur einen schwachen Eindruck von den Strapazen, welche die Norweger damals auf sich nahmen, die Insel zu erkunden. Über Hochlandebenen, vorbei an pfeifenden Erdlöchern und tosenden Wasserfällen, sind sie damals gezogen – vielleicht wie wir fasziniert von dem stetigen Wandel, den eine meist langweilig-flache und in ihren grau-kargen Farben eher einschläfernde Landschaft plötzlich vollziehen kann.



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Allein auf weiter Flur...
Ein undefinierbares Rauschen wird die Nordmänner dann unvermittelt neugierig gemacht haben. Angezogen von einer weißen Gischtwolke, werden sie genauso fassungslos wie heutige Betrachter vor der Schlucht gestanden haben, in die sich mit unglaublicher Kraft das Wasser des Flusses Hvitá den Felsen hinabstürzt. Gullfoss haben sie ihn genannt, den berühmtesten Wasserfall des Landes. Gull für golden, foss für Wasserfall. Hat man ihn einmal leibhaftig vor Augen gehabt, sind alle anderen Wasserfälle im ersten Moment nur noch kleine Sturzbäche. Doch kaum fünf Autominuten entfent, kann man wieder bestaunen, was die Faszination dieser Insel ausmacht: der stetige Wechsel der Landschaft, mal naturgewaltig wie im Haukadalur-Distrikt mit Gullfoss und Geysiren oder im Nationalpark Þingvellir mit dem ältesten Versammlungsort der Welt; mal weit und öde und steinig-unwegsam. Irgendwo am Horizont ist auf dem "Goldenen Ring" mit Islands größten Sehenswürdigkeiten immer eine Bergkette zu sehen, irgendwann tauchen immer mal dampfende Erdlöcher und tiefe Felsschluchten auf. Und auch einsame Wanderer, die tagelang durch lavaschwarze Ebenen ziehen, ohne auch nur ein einziges Mal andere Menschen zu Gesicht zu bekommen. 30, 40 Kilometer sind sie oft von der nächsten Hütte oder Ansiedlung entfernt. Eins mit der Natur, ganz auf sich allein gestellt. Nicht selten durchstreifen sie die Region rings um den Vatnajökull-Gletscher im Osten Islands, Europas größtem Eisfluss. Auch wir wollen hinauf, doch sind schwere Regenwolken aufgezogen, die Sicht dort oben auf knapp 1500 Meter Höhe ist gleich Null. Den Vulkan können wir also knicken. Dafür müssen wir noch im Hellen die heißen Quellen bei Landsmannalaugar erreichen. Im strömenden Regen kommen wir an. Weltenbummler aus aller Herren Länder haben sich dort auf dem Plateau versammelt – Unverdrossene, die mit ihren allradgetriebenen Mobilhomes mal Natur pur erleben möchten. Dann schnell die Plane zwischen den «Landys» aufgespannt und den Grill angeschmissen. Um Mitternacht ist Schicht. Wir krabbeln in die praktischen Dachzelte. Wieder ein Tag ist geschafft. Wir auch…
Der nächste Morgen läuft ab wie jeder andere draußen: Aufstehen um sieben, frühstücken, alles zusammen packen und wieder geht´s raus in die Wildnis. Ziel am folgenden Tag: die Südküste. Stunde um Stunde kämpfen wir uns durch das unwirtliche Land, durchpflügen feinen Lavasand und hüfthohe, von dicken Felsbrocken blockierte Flussläufe. Hier geht´s einen steilen Hang rauf, um die grandiose Aussicht zu genießen, da einen Achterbahnpfad runter, um wieder mal einen Bach zu durchqueren. Irgendwo hier hatte sich übrigens der ruhende Riese Eyjafjallajökull zurückgemeldet und Europa über Wochen in Atem gehalten. Endlich erreichen wir das trockene Flussbett des Markafljot, kurz darauf haben wir wieder festen Asphalt unter den Rädern. Genug Natur getankt. Jetzt schnell zurück nach Reykjavik, wo wider Erwarten bis in die frühen Morgenstunden etwas ganz anderes brodelt als sonstwo auf der Insel: ein Nachtleben, das weltweit auch einzigartig ist…                                                               Jochen Bleckmann
 
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Hin & Weg
l Fähre: Island-Fans, die die Insel mit ihrem eigenen Wagen erkunden möchten, brauchen Zeit: Fährpassagen sind nur ab Hansholm oder Esbjerg im Norden Dänemarks möglich. Ziel ist Seydisfjördur an Islands Ostküste. Hin- und Rückfahrt (in einer Zweibett-Kabine außen) inklusive PKW und Halbpension kosten für zwei Personen je nach Saison ab 2000 €. Die Reederei Smyril Line (www.smyrilline.de) bietet an, auf den Färöer-Inseln einen Zwischenstopp einzulegen.
 

l Flug: Fünf Airlines steuern Reykjavik per Direktflug von Deutschland im Direktflug an, saisonal unterschiedlich von neun unterschiedlichen Flughäfen: Berlin-Tegel und Schönefeld, Düsseldorf, Stuttgart, Frankfurt und Hahn, Friedrichshafen, Hamburg und München. Infos und Preise unter www.icelandair.de, www.icelandexpress, www.airberlin.com, www.Lufthansa.de; www.germanwings.com

l Infos & Mehr
I Landrover bietet sechs- oder neuntägige Reisen nach Island an, Preis inklusive Discovery, Übernachtungen/Vollpension: rund 2700€.
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Visit Iceland, Rauchstr. 1, D-10787 Berlin, Tel.: +49 (0) 30-5050 4200, www.visiticeland.com
 
 
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