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 Oberschwaben
Wo "America" seinen Anfang nahm
Der Bodensee und die Schweizer Alpen sind nur einen Steinwurf entfernt - trotzdem ist die südwestliche Ecke des Allgäus touristisch ein eher weißer Fleck auf der deutschen Landkarte. Zu Unrecht, wie sich bei näherem Hinsehen zeigt...

Ein Kelch Met als "Probiererle", bäuerliches "Brennt´s Mus" als Vorspeise und feudaler Karpfen im Wurzelsud als Hauptgang - nach dem mühevollen Aufstieg hoch zur oberschwäbischen Waldburg mundet das Ritteressen im Jahrhunderte alten Gewölbekeller umso mehr. "Truchsessen Maximilian" braucht seine Zeit, das müde Volk an den rustikalen Holztischen mit mittelalterlichen Anekdötchen aufzuheitern, zu beschwerlich war der verkehrsberuhigte Aufstieg hoch zu der imposanten Feste. Gefühlte dreißig Prozent Steigung lagen hinter uns, als wir endlich das Tor zu der imposanten Anlage aus dem 12. Jahrhundert erreichten. Nur wenige Kilometer östlich von Ravensburg thront sie auf einer 772 Meter hohen Moränenkuppe. Schon Friedrich Barbarossa fand  zwischen 1221 und 1240 keinen sichereren Ort als das Wahrzeichen Oberschwabens, um dort seine königlichen Kleinodien zu lagern. Lohn der Mühe ist ein Blick über eine Landschaft, die im Süden an die Alpen und weiter westlich an den Bodensee grenzt. 360 Grad Rundumsicht auf ein schönes Stück Deutschland, das selten in den Schlagzeilen erscheint, historisch aber eine Menge zu bieten hat.

Apropos Schlagzeile: Vor vier Jahren wurde in der Festung ein Jubiläum der besonderen Art gefeiert. 1507 erstellte der Kartograph Martin Waldseemüller die erste Weltkarte, auf der „America“ namentlich genannt wurde. Aufbewahrt wurde sie auf der Waldburg. Und vergessen. Ende des 16. Jahrhunderts verließen die von Waldburgs mit Kind und Kegel ihr angestammtes Zuhause und zogen ins nahe gelegene Wolfegg, auch schön gelegen, aber entschieden einfacher zu erreichen. In der schlosseigenen Bibliothek entdeckte der Jesuitenpater Joseph Fischer 1901 die als Buch gebundene Karte. Fortan nationales deutsches Kulturgut, versuchten die USA seitdem beharrlich, die Rarität zu kaufen. Mit Erfolg: Seit 1998 hängt das Original in der Nationalbibliothek in Washington, seit 2006 ein fünf Quadratmeter großes Faksimile auf der Waldburg.
Burg und Schloss Wolfegg liegen auf halber Strecke zwischen Ravensburg und Wangen. Letzteres ein Städtchen, das urplötzlich - pünktlich zum Sommermärchen Fußball-WM 2006 - aus seinem Dornröschenschlaf erwachte. Die Nationalmannschaft Togos hatte in dem idyllisch gelegenen Marktflecken Quartier bezogen und ihn für drei Wochen ins globale Rampenlicht befördert. In einer Urkunde des Klosters St. Gallen wird der Ort erstmals im Jahr 815 als „Wangun“ erwähnt. Als Marktort gewann er im 12. Jahrhundert immer größere Bedeutung, König Rudolf I. von Habsburg machte den Marktflecken schließlich 1286 zur „Freien Reichsstadt“.
Heute prägen schnuckelige Altstadtgässchen mit zahlreichen Cafés und Restaurants das Stadtbild, so das „Fidelisbäck“, das schon 1505 zur Vesper lud. „Leider ist der Leberkäs´ nicht immer gleich gut“, krittelt eine Einheimische, „aber hin gehen alle.“ Wie auch zum Wochenmarkt, der seit 1330 an jedem Mittwoch abgehalten wird. Ein architektonische Rarität findet sich in der Unterstadt, am Flüsschen Argen: eine in großen Teilen noch original erhaltene Badestube mit einem sehenswerten Kreuzgewölbe aus dem Jahre 1589. Hier wurde nicht nur gebadet, auch das Haar- und Bartscheren sowie der Aderlass durch „Schröpfen" war täglich Brot. Weil das Gebäude später als Wanderarbeitsstätte und zuletzt als Obdachlosenheim diente, wurde fast nichts zerstört. Bei Grabungen wurde sogar eine rund 180 Jahre ältere Einrichtung gefunden, die vermuten lässt, dass hier schon um 1400 öffentlicher Badebetrieb herrschte.

l Eine Region für alle Fälle...
Davon konnten sie in Eglofs damals nur träumen. Zwischen Wangen und Isny liegt das Städtchen, das nicht umsonst als einer der schönsten in ganz Deutschland ausgezeichnet ist: Eglofs. Heute gehört das barocke Schmuckstück zu Argenbühl, einem Zusammenschluss von sechs Ortschaften. Die Geschichte des Ortes mit seiner Kirche St. Martin und dem historischen Dorfplatz geht jedoch bis ins 13. Jahrhundert zurück. Damals verlieh König Rudolf ihm das Lindauer Stadtrecht, sie wurden Freie Bauern mit eigener Gerichtsbarkeit und Besteuerung. Der angrenzende Osterwald gehört noch heute den Landwirten und ist mit 262 Hektar Fläche einer der größten Privatwälder Süddeutschlands.
Von Argenbühl ist es nicht weit bis Isny, einem  Ort, der eher winterliche Erinnerungen weckt. Während im Rest des Jahres Wanderer im „Nordic Fitness Park“ Isny-Argenbühl auf zehn Routen mit rund 60 Kilometern Gesamtlänge ideale Bedingungen vorfinden, sind es im Winter mehr als 85 Kilometer doppelspurige Loipen, die zahllose Skiwanderer anlocken. Mit einer Höhenlage von 720 Metern zählt die Kleinstadt zu den schneesichersten Regionen im Südwesten Deutschlands. Schon 1924 wurden dort deutsche Nordische Meisterschaften ausgetragen.
Winterzeit ist auch Marktzeit im Allgäu. Viele Orte starten pünktlich zum 1. Advent ihren Weihnachtsmarkt. Siggen in Argenbühl, der wohl kleinste und schönste der Region, macht Ende November den Anfang. Einen Besuch wert sind auch der Festplatz vor dem Neuen Schloss in Kißlegg und der vor dem Bad Wurzacher Schloss, in dem sich das wohl besterhaltene barocke Treppenhaus Süddeutschlands befindet. Von Anfang Dezember strahlt die Altstadt von Isny in vorweihnachtlichem Glanz, kurz darauf auch das Bauernhaus-Museum in Wolfegg. Last not least lockt Wangen mit Kapellen und Chören an allen vier Adventssamstagen. Um dann auch schon wieder mit der alemannischen Fassenacht zu locken...        Jochen Bleckmann

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Infos
& Mehr
l Gästeamt Wangen, 07522-74211, www.wangen.de
l Isny Marketing, 07562-984110, www.isny.de
l Kurverwaltung Bad Wurzach, 07564-302150, www.bad-wurzach.de
l Touristinfo Leutkirch, 07561-87154, www.leutkirch.de

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Trips & Tipps

l Waldburg Das rund 900 Jahre alte Gemäuer ist eine der besterhaltenen mittelalterlichen Burganlagen in Deutschland. Ob Hochzeit oder Rittermahl – Kapelle und Burgschenke sind vor Ort (www.burghochzeit.com,www.ritteressen-waldburg.de) Fon: 083.82-94.79.68-0). Der Gang durch drei Etagen Geschichte hoch auf den Turm ist gratis.
l Schloss Wolfegg ist seit über 300 Jahren Familiensitz derer von Waldburg. Privatissimo. Am Schlossplatz fand auch Deutschlands einstige Auto-Edelfeder Wilhelm B. Busch ein stilgerechtes Museumsplätzchen für seine mehr als 200 Autos, Motorräder und Traktoren. Angucken und zwei Nächte Übernachtung im DZ kosten mit Frühstück rund 200 €. Darin enthalten sind zudem der Besuch einer Brauerei und des unterhalb gelegenen Museumdorfes. Alle jahrhundertealten Häuser wurden im Westallgäu ab- und dort wieder aufgebaut. In einem findet sich alles zum Thema Flachsverarbeitung, in einem anderen das
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Bauerndorf-Restaurant. Über jedes einzelne gibt´s viel zu erzählen, der Spaziergang allein ist den Ausflug wert (www.bauernhaus-museum.de).


 
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