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NEWS, TIPPS & TRIPSSTADT, LAND & FLUSSINSELN, BERGE & MEHRAUTO, SCHIFF & BAHN
FRANKREICH > Charmant: Kurzurlaub in der Picardie
FÄRÖER > Stürmisch: Chillen mit Charme und Schafen
ISLAND > Abenteuerlich: Offroad über Stock und Stein
DEUTSCHLAND > Appetitlich: Oberschwaben mit dem Auto
SCHWEIZ > Zügig: Per Bahn nach Zermatt und Gstaad


AUTO, SCHIFF & BAHN
NEWS AUTO
l FORD > Erstmals gibt´s ab 2012 bei den Kölnern einen Dreizylinder im B-Max. Einen Liter Hubraum wird der Van haben, weitere Modelle sollen zeitnah folgen. Mehr Infos gibt´s auf der diesjährigen IAA.
l AUTOTELEFON >  Handynieren während der Fahrt im Ausland wird richtig teuer.Spanien, Italien, Portugal, Griechenland, Belgien und Norwegen rufen mindestens 100 Euro auf, Polen wie auch Luxemburg, die Schweiz und andere zwischen 50 und 75 Euro. In Großbritannien kann das mobile Telefonat im Extremfall bis zu 1100 Euro kosten.
l SEAT > Richtig rund läuft es bei der VW-Tochter Seat nicht. Deshalb sind in den nächsten fünf Jahren 300 Millionen Euro jährlich geplant, um die Marke nach vorn zu bringen. Der „Ibiza“ soll gleich in drei Versionen angeboten werden, der „Leon“ soll durch einen zweiten Löwen aufgewertet werden.


NEWS SCHIFF

l NCL-Kreuzfahrten > Norwegian Cruise Lines (NCL) hat seine Kreuzfahrten für die Saison 2012/2013 vorgestellt, darunter - neben den Karibik-Klassikern - erstmals vier Routen in europäischen Gewässern. Die Norwegian Jewel wird auf der Strecke in die Inside Passage ihre Alaska-Premiere feiern, zudem bietet NCL fünf Atlantiküberquerungen an: Ab April 2012 geht´s drei Mal von New Orleans bzw. Orlando gen Osten nach Barcelona, ab Oktober 2012 geht´s westwärts zwei Mal von Barcelona bzw. Kopenhagen nach Miami. Preise: ab 549 Euro. 

NEWS BAHN
l City Night Line >
Der Nachtreisezug der Deutschen Bahn bietet eine neue tägliche Verbindung zwischen Kopenhagen und Prag an. Mit dem Fahrplanwechsel am 11. Dezember 2011 erreichen damit auch Reisende aus Berlin oder Dresden täglich die dänische Hauptstadt, Norddeutsche täglich die Goldene Stadt. Wintersportfreunde profitieren zudem vom 16. Dezember 2011 bis 14. April 2012 von den saisonalen Wochenend-Verlängerungen in die Skigebiete in Österreich und in der Schweiz. Winterurlauber aus dem Raum Saarbrücken und dem Rhein-Ruhr-Gebiet erreichen in dieser Zeit zahlreiche Skigebiete Österreichs wie das Stubaital, die Olympiaregion Seefeld oder von Wörgl weiter die Zillertaler Alpen. Darüber hinaus führt eine weitere Verbindung aus dem Rhein-Ruhr-Gebiet sowie ab Hamburg über das schweizerische Zürich nach Thun, Spiez und Kandersteg im Berner Oberland bis nach Brig in die Skigebiete des Kantons Wallis. Die Mitnahme der Skiausrüstung im City Night Line ist kostenlos. Informationen und Buchung über  0180-599.66.33 und unter www.bahn.de/citynightline


Alaska
Letzte Ausfahrt Glacier Bay
Kaum ein Seeweg ist so reich an Legenden wie die Inside Passage zwischen Vancouver und der Glacier Bay. Unzählige Goldgräber und Glücksritter folgten Ende des vergangenen Jahrhunderts auf diesem Seeweg dem Ruf des Goldes. Sie scheuten keine Strapazen, um in Alaska so nasskalte Nester wie Ketchikan, Juneau oder Skagway zu erreichen. Heute ist es ungleich bequemer, ihren Spuren an Bord eines komfortablen Kreuzfahrtschiffs zu folgen...

Es regnete in Strömen. Gelinde gesagt. Denn eigentlich goss es wie aus Eimern. Nur schwerlich waren die Umrisse der alten Lachsfabrik zu erkennen. Nur schemenhaft zeigte sich das Ufer der Prince-of-Wales-Insel auf der anderen Seite des Fjords im dunklen Grau des Regenvorhangs. Ketchikan, 9000-Seelen-Städtchen im Süden Alaskas, mag ja für einige Superlative gut sein – nach dem rund 400 Kilometer nördlich gelegenen Juneau die größte Pfütze der nördlichen Hemisphäre zu sein, zeigt denn wohl eher das gerüttelt Maß an Selbstironie, mit dem die Einwohner ihr feuchtes Dasein belächeln. „Würde es aufhören zu regnen, würden wir aufhören, etwas zu tun“, sagt süffisant auch eine ältere Dame, die schon im Bus routiniert begann, ihr Regenkäppi zurecht zu rücken. Rund 260 Tage im Jahr würde es in Ketchikan „cats and dogs“ schütten, immerhin gäbe es aber auch ein paar Sonnentage. Tröstlich angesichts einer Wassermenge, die nicht selten die Vier-Meter-Marke im Jahresmittel überschreitet. Fragt sich nur, wie die unzähligen Philippinos, die bis Mitte des Jahrhunderts als Hilfskräfte in den Konservenfabriken schufteten, mit der nassen Kälte weitab ihrer feuchtschwülen Heimat zurechtkamen. Mehr als zwei Dutzend dieser Lachsabfüllstationen gab es damals rund um die Stadt. Innerhalb kurzer Zeit avancierte das Nest am Creek River so zur „Welthauptstadt des Lachses“.
Schon die Indianer hatten in «Kitch-k-him» Jagd auf den Wanderfisch gemacht. In den Sommermonaten war und ist „der Fluss, der mit Adlerschwingen fließt“, voll mit Lachsen, so voll, dass man nur hineingreifen muss, um einen zu fangen. Totem um Totem schnitzten die Ureinwohner damals, um diesem glücklichen Umstand ein Denkmal zu setzen. Die stummen Zeugen dieser längst vergangenen Zeit, insgesamt 23, stehen heute auf einem großen Areal, dem Heritage Museum Ketchikan, das zugleich das älteste seiner Art in Nordamerika ist. Ein von Weißen erbautes Relikt ist der auf Stelzen stehende Gebäudekomplex, zu dem wir uns an diesem Vormittag völlig durchnässt durchgekämpft hatten. Bis 1959 wurden hier noch Lachse in Konserven gefüllt. Wär
e es zwanzig Grad wärmer gewesen, dann hätte es genauso gut ein Marsch durch irgendeinen tropischen Regenwald irgendwo auf den Philippinen sein können. So opulent satt, so verschwenderisch grün zeigte sich die Natur in Ketchikan, das wir nach Tagen auf See als letzte Station unserer einwöchigen Kreuzfahrt an Bord der „Norwegian Star“ angelaufen hatten. Noch ein letzter Blick auf die liebevoll restaurierte Altstadt am Creek mit ihren Galerien, Shops und natürlich auf „Dolly’s House“, das bis 1953 beste Hurenhaus am Platz - dann geht’s wieder zurück an Bord.

Knapp eine Woche ist es her, dass wir bei strahlendem Sonnenschein die kanadische Metropole Vancouver verließen. Zügig-routiniert war das Einchecken der knapp 1500 Passagiere verlaufen, die Außenkabine bot genau das, was ein jeder auf einer Reise wie dieser erwartet: bequeme Doppelbetten, eine kleine Sitzecke mit Blick in Fahrtrichtung rechts, ein ausreichend großes Badzimmer mit Dusche. Ein kurzes Sonnenbad noch am Pool, ein letzter Blick zurück, dann versank die Sonne hinter Vancouver Island. Am Morgen des nächsten Tages schält sich eine pittoreske Schärenlandschaft aus dem Grau tiefliegender Nebel, Inseln und eine Küstenlinie, die fast unberührt scheinen. Die Stunden an Bord nehmen ihren Lauf. Nur unterbrochen von dem „Ding, dong – dong“ der Sprechanlage, wenn der norwegische Kapitän auf Delfine oder sogar Wale in Richtung „fünf nach eins“ oder „twenty to eleven“ hinweist. Immer steiler werden die von Fichten bis an die Wasserlinie bewachsenen Hänge am hunderte Kilometer langen Granville Channel. Immer wieder bricht die Küste auf und gibt den Blick frei auf mal kleine, mal tief ins Landesinnere reichende Buchten, die kurz darauf wieder nicht mehr zu einzusehen sind.
Die zweite Nacht vergeht wie die erste. Ruhig gleitet die „Perle“ durchs Wasser. Trotz mitunter hoher Wellen kommt der Gedanke an Seekrankheit gar nicht erst auf. Auch nicht, als das Schiff den Channel verläßt und Kurs auf die Dixon Entrance nimmt. Ein blaues Loch am Himmel lässt Licht hinein in die faszinierende Landschaft rechts und links. Schneebahnen ziehen sich bis fast ans Meer hinunter. Wie hingetröpfelt ragen kleine Inseln aus dem grauen Meer, wie behaarte Rücken kleiner Urzeittiere sehen sie aus. Immer wieder kommen einem Geschichten von Goldgräbern, Abenteurern und Entdeckern in den Sinn, die dieses Land einst bereist haben, in ihren Kajaks oder mit dem Pferd auf schier unpassierbaren Wegen. Bei Temperaturen, die nicht selten 50 Minusgrade erreichten. Jack London, der schreibende Vagabund, war nur einer davon. „White Fang“ heißt das Buch, das er über seine Erlebnisse im hohen Norden schrieb. Und Skagway hieß das Kaff, dem er ein literarisches Denkmal setzte. Doch bevor er das Goldgräberstädtchen erreichte, landete London in Juneau. Wie wir schipperte er zuvor durch die Stephan’s Passage. Wie wir sah er die Fontänen der Killerwale nur wenige Dutzend Meter von sich entfernt. Wie wir war er sprachlos angesichts der Weite, die dieses Land bietet – wenn er überhaupt ein Auge für diese Naturschauspielereien übrig hatte.

Juneau: Einst Fischerdorf der Tlingit-Indianer, war das Nest doch Ausgangspunkt einer der größten Völkerwanderungen der US-Geschichte. Als die Prospektoren Richard T. Harris und Joseph Juneau im August 1880 dort ihren ersten Claim absteckten, verbreitete sich die Nachricht, sie hätten Gold gefunden, wie ein Lauffeuer. Zehntausende folgten dem Ruf der Wildnis, Hunderte ließen während des Gold-Rushs ihr Leben. Bis 1917 wurde noch in fünf Minen geschürft, danach war Juneau wieder nur ein aufregendes Kapitel der Geschichte. Mitte der 1940er Jahre schloss die letzte. Heute leben rund 30.000 Einwohner in der Stadt. Mehr schlecht als recht – den Unmengen Regen im Sommer folgen sieben eiskalte und schneereiche Monate. Und doch haben die zahlreichen Kreuzfahrtschiffe, die während der Saison in Juneau anlegen, zumindest den zahlreichen Souvenir-Shops ein profitables Auskommen beschert. Klagen können sicher auch die Helikopter-Piloten nicht, die in halsbrecherischer Manier die Gletscher rings um die Stadt anfliegen. Kein deutscher Tower ließe die rot-weiß gestreiften Hubschrauber unter den Umständen starten, mit denen die Helicops dort Tag für Tag bis in die Dunkelheit hinein zu kämpfen haben. Begleitet von Sphärenklängen à la Alan Parson steigen sie bei strömendem Regen hoch und überqueren die Meerenge, die sich, von oben besehen, wie der breite Körper einer trägen Schlange durch die regenverhangene Landschaft schlängelt. Hin- und hergeworfen vom Wind erreicht Jean-Louis, unser Pilot, tief geduckt über seinen Steuerhebel, das gegenüber liegende Ufer. Überfliegt dann in nur wenigen Metern Höhe die Bäume und lässt uns und den Hubschrauber hinter der nächsten Landzunge fallen in die nächste, blau-grau schimmernde Bucht. Fliegt dann den Gletscher hoch und landet genau an der Stelle, an der man den besten Blick auf das blaugrün schimmernde ewige Eis hat. Vorsichtig verlässt ein jeder den Hubschrauber, betritt den festen, von Steinen durchsetzten Eisboden. Nur wenige Meter sind es bis zu einer knapp einen Meter breiten Gletscherspalte, die sich nach unten im Wasser verliert. „No smoking“, hören wir Jean-Louis noch sagen. Doch wer würde hier angesichts so viel eiskalter Natur rauchen?



Skagway, die nächste Station unserer Reise, steht Juneau in Sachen Westernromantik in nichts nach. Vor knapp hundert Jahren aus dem nassen Lehmboden Alaskas gestampft, präsentiert es sich jedoch heute wesentlich akkurater: Farbenfroh säumen alte, restaurierte Häuser die einstige wie heutige Hauptstraße. Am  Ortseingang steht noch die „Steam Engine 73“, die Lok, die einst Digger zum Klondike River und auf den Chilkoot Trail brachte. 1988 ist die knapp 160 Kilometer lange White Pass & Yukon Railroad wieder eröffnet worden, ohne die Hunderttausende von Goldgräbern nie noch weiter und immer weiter nach Norden, nach Dawson City, gekommen wären. Um dort, nach Wochen in Gefahr, Hab und Gut und vielleicht auch das Leben zu verlieren. Oder um am Ziel zu erfahren, dass alle Mühen im wahrsten Sinne des Wortes umsonst waren – und alle Minen schon ausgebeutet…
Zumindest bis September lebt die Legende Skagway, dann legt das letzte Kreuzfahrtschiff ab. Von den 2100 Bewohnern bleiben mit der einsetzenden Eiseskälte noch ganze 300 übrig, die hier steuerfrei den bitteren Winter verleben. Die Saisonarbeiter des Sommers haben dann längst wieder ihr Winterquartier in Juneau bezogen. Einzelne weiße Punkte in der grauen See deuten darauf hin, dass es in der Nacht noch kälter geworden ist. Langsam schiebt sich die „Pearl“ ins John Hopkins Inlet, nimmt noch mehr Fahrt zurück, während die mit Eis bedeckten Granitwände rechts und links fast zum Greifen nahe sind. Immer größer werden die Eisbrocken im Wasser, doch unbeirrt hält der Kapitän auf die am Horizont weiß-bläulich schimmernde Wand zu. Wir haben die berühmte Glacier Bay erreicht. Grauer Granit wird eins am Horizont mit den fahlen Gletschern, die sich dort, wie schon seit Tausenden von Jahren, ins Meer schieben. Erst knapp dreißig Meter vor der Abrisskante des John Hudsons-Gletscher macht das Schiff Halt. Gespannte Stillle macht sich breit. Nur selten können die schwimmenden Riesen so weit in die Bay vorfahren, die normalerweise von Hunderten Robben bevölkert wird. An diesem Tag sind nur zwei Dutzend auf den vereinzelten Eisschollen zu sehen. Glück gehabt, wirken doch die Eiskanten aus der Ferne ungleich weniger beeindruckend. Ab und an erfüllt ein Grollen die Luft, so, als ob sich jeden Moment ein tonnenschweres Stück aus dem Gletscher lösen und dieser „kalben“ würde. Unzählige Augenpaare starren gebannt auf die weiß-blaue Wand – doch nichts passiert.
Exakt 136 Meter Wassertiefe zeigen die Bordinstrumente an, als unser Schiff ganz langsam auf der Stelle dreht und gemächlich Kurs auf Seattle nimmt. An Haines und Ketchikan vorbei geht die Fahrt wieder zurück nach Süden. Zurück in wärmere Gefilde. Mit einem weinenden und einem lachenden Auge vergehen die Stunden. Mal ehrlich: Der Gedanke, nach solch erlebnisreichen Tagen an Bord der „Norwegian Pearl“ und vielen unvergesslichen Stunden in einem so faszinierenden Land wie Alaska noch ein paar schöne Stunden in der „musikalischsten Stadt der Welt“ verleben zu können – einen krönenderen Abschluss dieser Reise gibt es wohl nicht…                              Jochen Bleckmann

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