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CHINA > MACAU: Spaß und Spiel auf hohem Niveau
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CHINA > MACAU: Spaß und Spiel auf hohem Niveau
NEWS
l Sternerestaurants > Macau kulinarisch: Der Guide Michelin hat aktuell 38 Lokale und 14 Hotels in den Sternenhimmel gehievt. On top: das "Robuchon A Galeria" im Hotel Grand Lisboa darf sich nun drei Sternen schmücken. Auch an weniger betuchte Feinschmecker haben die Tester der französischen Gourmet-Bibel gedacht: Immerhin sechs Imbisse mit Snacks ab 1,50 € sind lobend erwähnt.
l Bootstour > Erstmals kann man die Sehenswürdigkeiten Macaus nun auch per Schiffsrundfahrt entdecken. Nonstop angefahren werden u.a. der A-Ma-Tempel, der Macau-Tower und das futuristische Science-Museum, Start und Ziel für die 90-minütigen Törns ist jeweils Innere Hafen am Rande der Unesco-geschützten Altstadt (Ponte 12, Rua do Visconde Paco de Arcos). Preis: ab rund 12 €.


Eine Stadt spielt auf
Hungrige Tiger im Hasen-Jahr
Einst portugiesische Kolonie, bricht die Metropople am Westufer des Perlflusses derzeit zu ganz neuen Ufern auf. Längst gehört die pittoreske Altstadt zum Unesco-Weltkulturerbe, künftig setzt Macau aber ganz auf Spaß und Spiel - in den unzählihgen Spielbanken werden inzwischen doppelt so viele Umsätze gemacht als in Las Vegas...

Red Market. Roter Markt. Schlicht und unauffällig steht das Gebäude mit der roten Backsteinfassade im quirligen Geschäftsviertel zwischen den Avenidas Horta e Costa und Almirante Lacerda. Trauben von Menschen schieben sich mit schnellen, kurzen Schritten daran vorbei. Manche gehen hinein in die unauffällige Eingangstür an der Ecke des eingeschossigen Baus aus den 1930-er Jahren. Es ist zwölf Uhr mittags und drinnen Highnoon. Ein paar Stufen höher, vorbei an meterhohen Regalen mit salzgetrockneten Fischen und Dutzenden von Enten, wird Markt gehalten in des Wortes ursächlicher Bedeutung. Unzählige Stände mit zappelnden Fischen, zuckenden Schlangen und eingepferchtem Federvieh stehen auf kleinstem Raum. Geübt hantieren die Verkäufer dahinter mit ihren Messern, um die ungeduldige Kundschaft zügig zu bedienen. Frische à la minute ist Trumpf, gut Abgehangenes oder gar Eingefrorenes kommt keinem Macaenser in die Tüte.

Warum auch. Gutes Essen hat seit Jahrhunderten Tradition im fruchtbaren Delta des Perlflusses. Fisch und Fleisch, Gemüse und Obst kommen in Macau täglich frisch auf den Tisch. Das kulinarische portugiesische Erbe gibt den meist von kantonesischen Köchen zubereiteten Speisen die rechte Würze. Typische Gerichte sind Schweinefleisch mit gewürfelten Kartoffeln und „African Chicken“, höllenscharfe Hähnchen mit Piri-Piri-Pfefferschoten. Beides ist leicht bekömmlich, nur kurz angebraten oder gedämpft und mundet besonders gut in den zahllosen Garküchen und Restaurants rings um den Top Seac Square. Einem der Plätze, an dem sich noch alte Gebäude mit den für das historische Macau typischen dunkelroten und gelben Fassaden erhalten haben.

l In den Gärten liegt die Ruhe
So lebhaft das Treiben in den engen Straßen hier sein mag, nur ein paar Meter Weg ist das Tor zu einer ganz anderen Welt. Gärten gehören zu Macau wie die vielen architektonischen Beispiele aus der portugiesischen Kolonialzeit. Historische Beispiele finden sich in der ganzen Stadt, der schönste Park aber versteckt sich mitten im hoch aufragenden hektischen Häusermeer zwischen der Rua do Alm, Costa Cabral und der Avenida do Conselheiro Ferreira de Almeida: Lou Lim Ieoc. Angelegt Mitte des 19. Jahrhunderts, hat der klassisch-chinesische Garten nichts von seiner Ruhe verloren. Eine Landschaft en miniature mit Bergen, Seen, Wäldern und Pavillons, verteilt auf der Fläche eines Fußballplatzes.

Allmorgendlich treffen sich hier alte Chinesen mit ihren Vogelkäfigen zu einem Schwatz, Jung und Alt zu Übungen in Tai-Chi, Schattenboxen oder klassischem Tanz. In einem der Pavillons spielt ein Mini-Orchester mit traditionellen chinesischen Instrumenten, in einem anderen werden Arien aus kantonesischen Opern gesungen. Taucht man nach einem Besuch in der Oase der Stille wieder ein in das Gassengewirr der Altstadt, ist es vorbei mit der Ruhe. Unzählige Stände stehen tagsüber auf den Straßen, knatternde Mopeds und Kleinlaster übertönen das unablässige Raunen und Reden, Gestikulieren und Gerangel der Menschen um den besten Platz. Rund 22.000 leben pro Quadratkilometer in der Stadt, Macau ist damit dichter besiedelt als das benachbarte Hongkong oder irgendeine andere Stadt weltweit. Nähert man sich jedoch der Oberstadt, klärt sich im Schatten historischer portugiesischer Gebäude wieder die Luft. Zentrum ist der Largo do Sto Agostinho, ein Platz, der mit seinen schönen Mosaiken schon im 19. Jahrhundert zur Flaniermeile avancierte. Ein paar Gassen weiter geht´s durch ein Viertel, das einst der „Chinesische Basar“ war. Noch heute verbergen sich in den zur Straße hin offenen Läden unterschiedlichste Geschäfte, von der Garküche bis zum Räucher-stäbchen-Shop. Auf den Gehwegen haben fliegende Händler ihre Waren ausgelegt. Über die Rua de S. Paulo gelangt man dann direkt zur Ruine der Kathedrale Sao Paulo, der wohl größten Sehens-würdigkeit der Stadt. Nur die imposante Fassade des im 17. Jahrhundert erbauten Gotteshauses steht noch, 1835 wurde der Rest ein Raub der Flammen. Das Monument ist Teil der von Jesuiten gebauten Zitadelle Monte Fortress, die Kirche und Stadt überragt. Ein weiteres historisches Bollwerk ist die 1637 erbaute Guia-Festung auf der höchsten Erhebung der Halbinsel. Hier steht auch der älteste und immer noch funktionierende Leuchtturm Asiens. Neben diesen zählen auch Gebäude wie das 1850 erbaute Theater Dom Pedro V, der Largo de Senado mit dem einstigen Senatspalast von 1583 und derberühmteste Tempel der Stadt, A-Ma, zum Weltkulturerbe.

l Neues Leben in alten Gassen
Weit geht der Blick von hier über die ganze Stadt und hinüber ans chinesische Ufer des Perlflusses und auf die Inseln Taipa und Coloane. Auf Taipa steht gleich an der früheren Strandstraße Avenida da Praia ein schmuckes Ensemble von fünf pastellgrün gehaltenen Villen aus der Zeit um 1900. Zwei davon fungieren heute als Museen, das eine zeigt das Leben macaensischer Familien vor hundert Jahren, das andere - man höre und staune - Haushaltsgeräte und Kleidung aus diversen portugiesischen Regionen. Lohnenswert ist auch ein Bummel durch die schöne Altstadt von Taipa mit schnuckeligen Gassen, unzähligen Geschäften und Restaurants und einem wöchentlichen Shopping-Highlight: Immer wieder sonntags steigt der „Island´s Weekly Fair“ mit über hundert Verkaufsständen. Das auf der nahen Insel Coloane gelegene „Village“ war einst ein kleines Fischer- und Piratendorf, heute werden dort zwar noch Dschunken gebaut, Hauptattraktionen sind jedoch die Kirche Francisco Xavier mit dem schmucken Vorplatz und der viel besuchte Tam-Kung-Tempel.

Einen echten Überblick über die nur 28 Quadratkilometer kleine Stadt kann man sich auf dem 338 Meter hohen Macau Tower verschaffen. Hoch fährt man in gläsernen Fahrstühlen, erst in 230 Meter Höhe stoppt der Expresslift und gibt die Tür frei für einen Bummel über die Freiluftterrasse. Wer will, kann in luftiger Höhe einen per Seil gesicherten „Skywalk“ rund um den Turm machen. Ein zusätzlicher Nervenkitzler ist die Besteigung der Mastspitze über eine Leiter. Bei klarer Sicht kann man von dort 50 Kilometer weit sehen - ins Land hinein oder herab auf den alten Hafen und das „Casino Lisboa“. Ein Zockerparadies, das neben 33 anderen nicht umsonst wie ein Magnet auf die Spieler aus aller Welt wirkt. Denn kaum hatten sich portugiesische Seefahrer und Kaufleute im 16. Jahrhundert am Perlfluss niedergelassen, kam mit den chinesischen Handelspartnern das Glück ins Spiel. Und damit das Glücksspiel. Der Macaenser liebt sein Fan Tan, ein Spiel mit Porzellanknöpfen, das Würfelspiel Dai-Siu und natürlich Mahjong, das uralte Domino, das auch heute noch auf keiner Hochzeit fehlen darf. Plüschige Spielsalons schossen überall in der Stadt schon im 18. Jahrhundert aus dem Boden, das erste Casino öffnete vor knapp 70 Jahren seine Tore.

l Heiße Häschen und hungrige Tiger
Schier unglaublich ist, was sich heutzutage an den Spieltischen in den fast drei Dutzend Casinos im Stadtgebiet abspielt. Rund um die Uhr, Tag und Nacht. Die größten sind die vor wenigen Jahren erbauten Hotels „Sands“ und das „Venetian Macao Resort“. Beide imponieren mit über 700 Spieltischen für Black Jack und Roulette sowie einer unüberschaubaren Armada von Automaten auf jeweils über 20.000 Quadratmetern. Das bekannteste und zugleich traditionsreichste ist jedoch noch immer das „Lisboa“, ein viergeschossiger portugiesisch-kolonialer Prachtbau, der - illuminiert wie ein Stadtschloss - mit seinem Turm die nächtliche Skyline der Stadt beherrscht. Nicht selten stehen die Glücksritter dort in Fünferreihen an den zahllosen Roulettetischen, fingerfertig werfen sie Chips auf das grüne Tuch mit den magischen Zahlen, unentwegt dreht sich die Kugel. Kaum liegt sie im Fach, kommt Bewegung in die reglos und scheinbar unbeteiligt auf den Spieltisch starrenden Spieler. Bildhübsche weibliche Croupiers schieben, ohne mit der Wimper zu zucken, Dutzende von Chips zu sich heran, ordnen sie und verteilen die Gewinne an hastig zugreifende Zocker. Souverän sind sie, die Damen, professionell und cool. Trotz der steten Kontrolle durch die Oberaufseherin, trotz des ewigen Kommens und Gehens der Spieler. In Sekundenschnelle sind kurz darauf die Ziffern auf dem Roulettetisch vor lauter Chips wieder nicht mehr zu erkennen. Neues Spiel, neues Glück. Oder auch nicht. Ob beim Roulette, Baccara, Black Jack oder beim Spiel an den ewig blinkenden Slotmachines, von den Chinesen nur „Hungrige Tiger“ genannt - Choi-Sun, der chinesische Gott des Geldes, wird´s schon irgendwie richten. Und auch sein Händchen halten über den aktuellen Goldesel: die „Studio City“ an der Hauptverkehrsstraße „Cotai Strip“. Mit diversen Casinos, Kinos, Shopping-Malls und Tophotels auf insgesamt 400.000 Quadratmetern. Alt-Playboy Hugh Hefner und sein durch die Wirtschaftskrise schwer gebeuteltes Imperium sind auch dabei und errichten dort gerade den exklusivsten Hasenstall der östlichen Hemisphäre – und wackeln vor Vorfreude auf zu erwartende Millionenumsätze sicher schon mit den (Bunny-) Ohren.


l The Winner is: Big Brother Bejing
Bis heute ist die 500.000-Einwohnerstadt die einzige auf chinesischem Boden, in der Glücksspiele erlaubt sind. Weil täglich neue Hundertschaften hinzukommen, ist Landgewinnung eine der größten Investitionen in die Zukunft; mehr als die Hälfte der aktuellen Grundfläche Macaus wurde so gewonnen, darunter auch ein vier Quadratkilometer großer Polder zwischen den Inseln Coloane und Taipa. Nicht ohne ökonomischen Hintergrund: Satte 33 Spielpaläste locken inzwischen Zocker aus aller Welt rund um die Uhr. Deren Spielleidenschaft beschert dem Stadtsäckel jährlich knapp fünf Milliarden Euro allein aus den Casinoeinnahmen. Das Doppelte dessen, was im US-Spielerparadies Las Vegas gleichzeitig über die Spieltische geht. Ein Großteil der Einnahmen wandert nach Bejing, in die Hauptstadt, ins Zentrum der chinesischen Macht. Deren Arme das kleine Macau zwar seit nunmehr einem Jahrzehnt wieder umschließen, aber nicht erdrücken. Polizei oder gar Soldaten sind nur selten zu sehen, trotzdem ist die Straßenkriminalität gering. Ein Hauch euro-asiatischer Lebensart ist in den Gassen zu spüren, wenn auch nur noch knapp 2000 Portugiesen in der Stadt leben. Man hat sich arrangiert mit den westlichen Langnasen - und alle fahren gut dabei. In nicht langer Zukunft vielleicht noch besser: Der Grundstein für eine der längsten Brücken ist gelegt, 2015 soll sie planmäßig Macau mit der Sieben-Millionen-Schwesterstadt Hongkong verbinden. Aktuell muss man für die Überfahrt mit der Schnellfähre noch eine Dreiviertelstunde rechnen. Demnächst dauert der Weg zum Glück nur noch die halbe Zeit...                                           Jochen Bleckmann                                                                                                                                            

l
Mit drei dabei


I
Wohnen & Schlafen
I Hotel Lisboa (Foto links) Das Haus ist eines der feinsten Kasinohotels Asiens mit über tausend luxuriösen Zimmern und liegt inmitten Macaus Hauptgeschäftsbezirk. Top: die Architektur, zwölf Restaurants und Unterhaltung rund um die Uhr. DZ ab 128€, 2-4 Avenida De Lisboa, www.agoda.de, www.tripadvisor.de



I Central Hotel (Foto Mitte) Mitten in Macaus Altstadt gelegen, ist das 163-Zimmer-Haus eines der ältesten vor Ort, so schaut´s auch aus. Dafür liegen 16 Top-Adressen vor der Haustür. DZ ab 60€, Avenida de Almeida Ribeiro 264-270, www.agoda.de, www.tripadvisor.de
I Sintra Hotel (Foto rechts) Wie das Central liegt auch das Sintra nur Gehminuten von vielen Sehenswürdigkeiten entfernt. Die Zimmer sind sauber, das meist philippinische Pesonal sehr freundlich. DZ ab 63€, Avenida D. Joao IV, www.expedia.de, www.agoda.de

Alle Hotels und Gästehäuser samt Adresse und Kontaktdaten stehen auf der englischen Website des Macau Government Tourist Office: www.macautourism.gov.mo.


I Come & Go
Cathay Pacific und Lufthansa fliegen täglich nonstop von Frankfurt aus nach Hongkong. Daneben gibt es zahlreiche schnelle Umsteigeverbindungen mit anderen internationalen Fluglinien. Ab Hongkong Airport kann man direkt mit der Fähre nach Macau weiterfahren. Die Passagiere bleiben im Transitbereich und gehen direkt auf die Schnellfähre nach Macau. Die Überfahrt dauert ca. 45 Minuten. Die Tragflügelboote pendeln neun Mal am Tag zwischen Hongkong Airport und dem Macau Fährterminal. Einmal pro Tag gibt es eine direkte Fähre vom Flughafen Hongkong nach Taipa. Mehr Infos unter www.turbojet.com.hk.
I Fremdenverkehrsbüro Macau, Wiesbaden, Telefon: 0611-267.67.30 oder www.macau-info.de
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