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HOLLAND > GRONINGEN: Neues Leben in alter Stadt
NEWS Groningen
l Weihnachtsmarkt > Historische Schiffe bilden vom 16. bis zum 18. Dezember 2011 in der jüngst zur zweitbeliebtesten Stadt der Niederlande gekürten Hansestadt die Kulisse für das Festival „WinterWelVaart“. Sie liegen an den Kais Hoge en Lage A vertäut, an Bord werden Musik, Kunst,  Literatur und Kulinarisches geboten. Alle Schiffe sind in Groningen beheimatet, verkehren aber meist als Touristenattraktion auf dem Watten- und IJsselmeer. Parallel öffnet der traditionelle Weihnachtsmarkt entlang der Kaimauern seine Stände, das angrenzende „Noordelijk Scheepvaartmuseum“ kann man gratis zu besuchen. Der Markt ist am Samstag, 17. Dezember und am Sonntag, 18. Dezember von 12 bis 18 Uhr geöffnet, das Museum Samstag von 10 bis 17 Uhr, Sonntag von 13 bis 17 Uhr. Weitere Informationen: www.winterwelvaart.nl; www.noordelijkscheepvaartmuseum.nl; www.niederlande.de/veranstaltungen


Gelungener Spagat zwischen Kultur und Casino

Festbühne der Feierbiester
Wenn Zufriedenheit ein Gradmesser ist, dann fühlt sich kein Europäer in seiner
Stadt so wohl wie die „Stadjers“ in Groningen. Steinalt und jung geblieben –
so präsentiert sich die Hansestadt im Nordosten der Niederlande den Besuchern...


„´T kon minder“, es könnte weniger sein, sagen selbst die Groninger, wenn es um das tägliche Schaulaufen tausender Touristen und Einheimischer in ihrer autobefreiten Altstadt geht. Zwei Kilometer im Quadrat volles Leben in historischem Ambiente rings um Grote Markt und Vismarkt, zwischen Martini-Turm und Aa-Kirche. Sperrstunde? Fehlanzeige. Tagsüber und dann wieder ab 21 Uhr geht in den knapp 170 Cafes, Restaurants und Discos der Stadt die Post ab. In der Nacht von Donnerstag auf Freitag auch gern mal bis in die frühen Morgenstunden. „Dann haben die Studenten die Wäsche bei Mama abgegeben und läuten das Wochenende ein“, merkt die Stadtführerin ironisch an. Bevorzugte Meile für alle über 18: Turftorenstraat und Poelestraat. Videoüberwacht und eigentlich ein No-go für „Senioren“ jenseits der vierzig. Die finden trotzdem problemlos ihr Plätzchen ein paar Meter entfernt in „de Ellebogenbuurt“. Dort, am Grote Kromme Elleboog, leicht erkennbar an teuren Kupferpfannen und -töpfen im Schaufenster, findet sich auch das „Muller“, einzig besterntes Restaurant der Stadt. Umgeben von traditionellen „Bruine Cafés“ wie dem „De Pintelier“ oder dem „De Wolthoorn & Co“, seit 1923 im Original erhalten und unbestritten die Nummer 1 unter den niederländischen Cafés. Über ein mangelndes gastronomisches Angebot muss sich also in der mit rund 170.000 Einwohnern sechstgrößten Stadt der Niederlande weiß Gott kein Mensch Gedanken machen. Dank der 35.000 Studenten liegt das Durchschnittsalter der Groninger heute bei knapp 37 Jahren.



Einst ein Alter, das erst einmal erreicht werden wollte. „Gasthäuser“ jedenfalls gab es immer schon in der einstigen Römergründung, die ab dem 13. Jahrhundert über knapp zweihundert Jahre auch der Hanse angehörte – nur waren sie weniger zugänglich für Weiber und Gesang. Eher für die Ärmsten der Armen und Kranke. Das älteste und größte noch erhaltene „Hofje“ ist das Heiligen-Geist-Gasthuis in der Pelsterstraat. Es bot schon 1267 Obdach für „alle Menschen mit bravem, ehrlichen Lebenswandel“. Die trotzdem oder deshalb ihren Lebensunterhalt nicht mehr bestreiten konnten. Für die noch schlimmer Betroffenen, Pest- und Geisteskranke, war das Sint-Anthony-Gasthuis am Rademarkt die letzte Zuflucht. 1517 erbaut, war es lange Jahre beliebtes Ziel für die wohlsituierten Bürger der Stadt, die sonntags ihren Kindern mal zeigen wollten, wo sie denn enden werden, wenn... Und flanierten mit ihren Kids dann durch den „Dolhuisgang“, den Irrenhausweg. Bis dahin kamen die Bemitleidenswerten im 1405 errichteten und anfangs für Pilger und Arme gedachten Geertruits-Gasthuis in der Peperstraat unter. Heute ist das Areal mit seinem baumbestandenen Innenhof begehrter Wohnraum für Bedürftige, rund 450 Euro Miete kostet solch ein zweigeschossiges Minihäuschen mitten in der Stadt. Fast schon makaber: Gleich nebenan steht das „Holland Casino“, in dem einige ein Vielfaches dieser Monatsmiete täglich beim Roulette oder Blackjack verzocken.

l Wem die Stunde schlägt - hier gleich doppelt
Das architektonische Miteinander von Alt und Neu – hier die schiefen Ziegelfassaden jahrhundertealter Speicher, Bürgerhäuser und Kirchen, dort gläserne und granitglänzende Außenansichten der Moderne – gibt Groningen ein Gesicht, das zur „schönsten Innenstadt der Niederlande“ gekürt wurde. Zu bestaunen am besten per Rundfahrt mit dem Schiff. Immer die Kanäle entlang, die die Altstadt umringen und das rund 30 Kilometer landeinwärts liegende Groningen vom Noorderhaven aus mit der Nordsee verbanden. Entsprechend maritim ist die Geschichte der Stadt: Hanse-Mitglied vom 14. bis ins 16. Jahrhundert, Kontakte weltweit von Bergen in Norwegen über Soest in Westfalen bis Batavia in Indonesien. Was läge als Geschäftsidee näher, als genau in dieser Tradition einen Handel aufzuziehen, der nur Produkte wie Tee und Marzipan, Schokolade und Honig im Portfolio hat - hergestellt von Unternehmen, die seit mindestens hundert Jahren in Familienbesitz sind. In „Het Hanze Huis“ in einem kleinen Anbau der Aa-Kirche am Fischmarkt sind solche Spezialitäten ausgestellt.


Der Turm der im 12. Jahrhundert erstmals erwähnten Kirche präsentiert sich heute in leuchtendem gelb-türkis, der originellste der drei größten städtischen Gotteshäuser ist er aber nicht. Der steht einen Steinwurf entfernt am Radesingel und schmückt die Sint-Jozefkerk. Seit 1981 darf sie sich Bischofssitz nennen, bekannt gemacht hat sie aber ihr sechseckiger Turm, der jedem Zechgesellen nach diversen Pilsjes und dem unverzichtbaren Genever den Weg nach Hause wies. Sechs Uhren zeigen rundum, was die Stunde geschlagen hatte; zwei davon sieht man immer – egal, von welcher Seite man kommt. Kurz: Weil jeder, ob nüchtern oder nicht, alles doppelt sieht, hatte die Kathedrale schnell ihren Spitznamen weg: „Dronkemanstoren“, Trinkerturm. Wer´s gern sportlich sieht, kann als „Starter“ die Stufen in den Glockenturm der Martinikerk am Grote Markt erklimmen – oben winken zur Belohnung ein Matjes und ein Genever. Vielleicht wäre weniger Lust auf Leben in Groningen ja tatsächlich mehr.´T kon minder. Ansichtssache. Vor allem, weil das platte Land ringsum auch noch das eine oder andere Schmuckstück zu bieten hat…   Jochen Bleckmann

l Mit drei dabei
l Kunst & Kultur: Zwei Museen hat´s in Groningen natürlich auch. Das eine – gegenüber vom Bahnhof gelegen – lockt mit wechselnden Ausstellungen in vier Pavillons. Alle von Toparchitekten gestaltet, darunter Philippe Starck. Das andere ist das Comicmuseum am Westerhaven 71. Wie der Name schon sagt: Witzig, aber mehr was für Kinder in Begleitung Erwachsener.
l Essen & Trinken: Das älteste „bruine café“ der Stadt ist das „Dreams“ im A-Weg. Knapp 100 Jahre alt, hat der einstige Pferdestall des Jockeys Lucas von Hammen trotz des Namens nichts von seiner Gemütlichkeit verloren. Vorab vielleicht ein Dinner im einzigem besternten Restaurant der Stadt - dann ab ins „Muller“ am Grote Kromme Elleboog.
l Tipps & Trips: Weltberühmte Architekten haben in Groningen gewirkt. Ein Rundgang durch die Stadt führt an allen Highlights vorbei, mal am Pissoir von Rem Koolhaas, mal am Empfangspavillon des Unimuseums, mal am Pavillon von Siebe Jan Bouma am Zuiderdiep. Der Weg ist das Ziel – und besser kann man Groningen nicht erlaufen.

l Service
l Infos & Mehr: VVV Stadt Groningen, Grote Markt 25, 0031-50-3139741 / www.tourismus.groningen.nl


l
Wohnen & Schlafen: Grand Hotel De Kromme Raake – ein Haus, eine Rezeption, ein Wohnraum mit Schlafschrank, Küche und Bad, mehr ist nicht drin im laut Guinnessbuch der Rekorde kleinsten Hotel der Welt. Es steht zwar nicht in Groningen selbst, sondern 30 Autominuten nördlich der Stadt im Örtchen Eenrum, trotzdem gaben sich dort schon Thronfolger Willem-Alexander mit Gattin Maxima neben unzähligen anderen aus aller Welt die Ehre. Wegen des eingeschränkten Platzangebots wird rechtzeitige Buchung angeraten. DZ mit Frühstück gibt´s für 150 € pro Nacht, Wochenend-Arrangement mit Champagner und Dinner für 275 €. Fon: 0595.49.16.00 / www.hoteldekrommeraake.nl
l Bis 31. Dezember 2011 bieten diverse Hotels in Groningens Zentrum spezielle Arrangements an, darunter auch das Hampshire Hotel Groningen – eine Übernachtung kostet im DZ 50 € p.P., zwei gibt´s ab 80 € p.P. Buchung www.hampshirehotels-groningen.nl



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