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ITALIEN > TOSKANA: Veni, vidi - und dann Vinci
Von Dante bis Puccini
Kommen, sehen, bleiben...
Sanfte Hügel, malerische Städtchen, Namen wie Musik – die Landschaft der Toskana ist so
 einzigartig wie die Künstler, die dort gelebt und gewirkt haben. Schöner als auf den Spuren
von Michelangelo, Boccaccio und Puccini lässt sich der Klassiker unter den Reisen nicht erkunden.

„Toscano“ – Hollywoods Erotik-Ikone Sharon Stone liebt sie, ihr Filmkollege Clint Eastwood kaut und pafft – wenn es denn möglich ist im Schwarzenegger-Land Kalifornien – am liebsten an Zigarren aus der „Manifattura Tabacchi di Lucca“ herum. Eigentlich ein Rauchzeichen: Nicht auf Kuba, La Palma oder in der Dominikanischen Republik werden die Nasenschmeichler produziert - seit über 200 Jahren wird hier in Lucca handgerollt, was Raucherherzen höher schlagen lässt.
Ein berühmter Sohn der Stadt kannte sie bestimmt, war Rauchen doch eines der Laster, denen der Komponist Giacomo Puccini zeit seines Lebens frönte. Der Schöpfer von „Tosca“ und „Madame Butterfly“ (1858-1924) wohnte an der Corte S. Lorenzo 9 / Ecke Via di Poggio in der wunderschönen Altstadt. Heute ist die Villa ein öffentliches Museum. Zu sehen sind – neben Kleidung, Fotos und Möbeln – natürlich auch seine Rauchutensilien. Die Inspiration für seine Welterfolge fand der Maestro ein paar Kilometer westlich in in seinem „Paradies und Königsschloß“ in Torre del Lago, einem Fischernest am Lago Massaciuccoli bei Viareggio. Dort in der Versilia saß er tagsüber im Café, rauchte und spielte Karten mit den Männern aus dem Dorf, jagte und angelte. Das „Caffè“ exisitiert noch, wie auch die Villa am See und sein Mausoleum.


l Dichter, Denker und göttliche Impressionen
Nur ein paar Autominuten weiter nördlich wird – umgeben von den für die Versilia typischen Pinienwäldern und der imposanten Bergkulisse des Nationalparks „Parco Regionale delle Alpi Aquane“ – das kunstvollste Weiß dieser Welt gebrochen: Marmor aus Carrara. Vor einem halben Jahrtausend war Michelangelo der erste Bildhauer, der persönlich kam, um sich die besten Stücke aus dem Fels zu hauen. Meißelte oder malte Michelangelo Buonarotti (1475-1564) mal nicht gerade in Carrara, Florenz oder Rom, kehrte er gern in seinen Geburtsort Caprese nördlich von Arezzo zurück. Das Haus seines Vaters, die Casa del Podestà in der Via Capolungo 1, ist heute ein Museum mit Gipsabgüssen seiner Werke. Auf dem Weg dorthin hätte er durchaus einen ebenso berühmten Zeitgenossen treffen können: Leonardo da Vinci. Der Name des Universalgenies ist in aller Munde, der Ort Vinci selbst jedoch nicht. Eingebettet zwischen Olivenhainen und Weinbergen liegt das 14.000-Seelen-Städtchen rund 30 Kilometer westlich von Florenz. Klar, dass jeder Toskanareisende erst einmal dort vorbeischaut. Geboren wurde Leonardo am 15. April 1452 jedoch im vier Kilometer südöstlich gelegenen Nachbardorf Anchiano. Sein Vater, ein Notar, betrieb dort ein Gut, es soll Leonardos Geburtshaus sein. Lohnender ist ein Besuch des Museo Leonardiano im Castello dei Conti Guidi in Vinci. Dort ausgestellt sind Modelle seiner Geniestreiche, darunter ein Hubschrauber und ein Fahrrad.
Hätte er es damals bauen können, Leonardos Probefahrt wäre sicher Richtung Siena oder San Gimignano gegangen. Er wäre durch das wunderschöne Elsa-Tal gefahren und hätte im nahen Certaldo eine Rast machen können. Die malerische Altstadt aus rotem Backstein war Heimat des Giovanni Boccaccio (1313-1375). Neben Bauwerken aus dem Mittelalter und der Renaissance steht in der Via Boccaccio auch sein Geburtshaus. Dort ist heute eine nach ihm benannte Bibliothek untergebracht, in der Kirche steht sein Grabmal. Der „ Decamerone“-Dichter war gerade auf der Welt, als der 1265 im nahen Florenz geborene Dante Alighieri an seiner „Divina Commedia“ schrieb. Vierzehn Jahre später waren seine Wanderjahre quer durch die Toskana beendet. Wie auch seine Göttliche Komödie – die so unsterblich wurde wie das Land, in dem er lebte…
                                           Jochen Bleckmann

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Fragen & Antworten
Wie kam es zum Namen Toscana?
Die Römer hatten das Land den Etruskern abgerungen, deshalb nannten sie es Etruria. Im Jahr 297 ordnete Kaiser Diokletian sein Reich neu und nannte die Provinz fortan „Tuscia et Umbria“. Und Tuscia kam von Tusci – so nannten die Römer die Etrusker.
Im Jahr 1077 trafen sich Papst Gregor VII. und Heinrich IV. auf der Burg der Markgräfin Mathilde in Canossa. Ihr Herrschaftsgebiet hieß fortan Tuszien, lateinisch Tuscia, mundartlich wurde im 13. Jahrhundert Toscana daraus.
l Infos & Mehr
Nähere Infos über Italien und die Toskana: www.enit-italia.de
l Hin & Weg
Diverse Fluggesellschaften fliegen von mehreren deutschen Flughäfen die Toskana an. Die Preise variieren stark, unter www.momondo.com finden Sie die günstigsten Angebote. DB AutoZug (www.dbautozug.de) fährt saisonal ebenfalls von Nord- und Westdeutschland nach Italien.


l Wohnen & Schlafen
l Monteriggioni > Um auf Tagestouren so viel Toskana wie möglich zu erleben, ist das Relais Castel Bigozzi genau das richtige Domizil. Siena und das Chianti-Region liegen um die Ecke, das Schlösschen aus dem 13. Jahrhundert ist mit seinem schönen Park die richtige Einstimmung. Zimmer ab 84 €, www.venere.com/de/hotel/monteriggioni/hotel-relais-castel-bigozzi
l San Quirico > Viele mittelalterliche Burgen gibt´s nicht mehr rund um Siena. Eines, dass noch den Charme dieser längst verganenen Zeit hat, ist das Castello Ripa d´Orcia, erstmals erwähnt 1271. Die acht Appartements und sechs Doppelzimmer sind komfortabel eingerichtet, beides gibt´s ab jeweils 124 €. www.castelloripadorcia.com
l Essen & Trinken
l Giorgia > Klassische Trattoria mit Gerichten à la Mamma. Seit Jahrzehnten hat sich in dem Familienbetrieb nichts geändert. Auch nicht die Qualität der Pasta. Fagnano bei Lucca, Via Vecchia Pisana 2457, Fon: 0039/583/510041
l Venanzio > Nach einem Besuch der Marmorbrüche genau das Richtige – nicht edel, dafür aber regionale Spezialitäten vom Feinsten zu moderaten Preisen. Tipp: die Nudeln mit Steinpilzsauce. Colonnata bei Carrara, Piazza Palestro 3, Fon: 0039/585/758062
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