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STADT, LAND & FLUSS
Elbkreuzfahrt: Von Magdeburg in die Sächsische Schweiz
Die Entdeckung der Langsamkeit
Sekt oder Selters, Elbe oder Rhein? Das Bauhaus in Dessau, Luthers Wittenberg,
Meißener Porzellan, "Elbflorenz" Dresden und die Sächsische Schweiz klingen verlockend,
also ab nach Magdeburg. Gegen Mitternacht wird die „Schumann“ ablegen, elbaufwärts...


Wie passend: Kaum das geschichtsträchtige Magdeburg vor Augen
kommen mir musikalisch die 1980-er Jahre in den Sinn. Neue Deutsche Welle. Joachim Witt. Goldener Reiter. Beim Einchecken am Nachmittag erwische ich mich dabei, wie ich zum x-ten Mal den legendären Ohrwurm summe. Wie auch in den nachfolgenden Stunden, als ich die Sehenswürdigkeiten der Stadt an der Elbe besuche: den  viel besungenen Goldenen Reiter, den Domplatz, das Hundertwasserhaus und das Guericke-Museum. Pünktlich zum Dinner für Sechzig im Bordrestaurant bin ich wieder an Bord.
Unter den Gästen: meist Deutsche im gesetzteren Alter, ein paar Österreicher, Franzosen und sogar zwei Italienerinnen. Die Kleidung ist leger, Abendkleid und Anzug passé. Der Hauptgang wird à la carte serviert, vorweg nach Gusto Klassisches vom Buffet, dann wahlweise Fisch oder Fleisch und das Dessert. Am späten Abend füllt sich langsam das Oberdeck, das Horn kündigt die Abfahrt an. Ein letzter Blick noch auf die Lichter von Magdeburg, dann geht´s über Nacht gen Dessau und Wörlitzer Park.


 
l DESSAU Der nächste Morgen. Mit neuneinhalb km/h kämpft sich das Schiff elbaufwärts. „Mehr ist nicht drin“, sagt der tschechische Kapitän, obwohl auch 22 km/h möglich wären. Zu schmal sei die Fahrrinne für das knapp 95 Meter lange und elf Meter breite Schiff, auch kämen zwischendurch immer mal andere Schiffe, die eine schnellere Fahrt verhinderten. Ein guter Anlass, während der Fahrt die Langsamkeit einer Flusskreuzfahrt zu entdecken und sich innerlich dem Rhythmus leise plätschernder Elbwellen anzupassen. Irgendwann sind die Auen am Ufer durchquert, linkerhand kommt ein Anleger in Sicht, Dessau ist erreicht. Erstes Ausflugsziel: Wörlitz und der Weltkulturerbe-Park. 120 Hektar ist sie groß, die Anlage aus dem 18. Jahrhundert mit ihren opulenten Blumenrabatten, mehreren Inseln, zahllosen Brücken und dem klassizistischen Schloss. Zu viel des Guten, um in knapp zwei Stunden alles per pedes zu erkunden, eine gemütliche Kahnfahrt durch die Kanäle muss also reichen - bevor es im Schnelldurchgang zum Dessauer Bauhaus geht – mit kurzem Blick ins Museum und auf die einstigen Wohnhäuser weltberühmter Professoren wie Feiniger, Gropius und Schlemmer. Abends: Ankunft in der Lutherstadt Wittenberg, über Nacht bleiben wir dort vor Anker.

l WITTENBERG Tag drei: Alles dreht sich um den berühmtesten Sohn der Stadt: Besuch des Lutherhauses, Bummel durch die Altstadt zur „seiner“ Thesen-Schlosskirche mit kurzem Blick auf die Häuser seiner Freunde Melanchthon und Cranach am Marktplatz. Erstmals fällt der Name seiner Frau Katharina von Bora, die ihm zeitlebens im Kampf gegen König und Kirche den Rücken freihielt – und nach seinem Tod mittellos und aus Furcht vor Krieg und Pest flüchten musste. Bei Nacht und Wind chauffierte sie die Kutsche selbst, stürzte damit in einen Graben und wurde schwerverletzt  ins nahe Torgau gebracht. In diesem wohl schönsten Renaissance-Städtchen Deutschlands mit der imposanten Burganlage und dem Jahrhunderte alten Bärengehege legt die „Schumann“ am späten Abend an. Nur kurz ist der Landgang, ein Blick auf die Marienkirche, in der Luthers „Käthe“ ihre letzte Ruhestatt fand, ein zweiter noch auf das schmale Haus, in dem sie starb - und schon ist Torgau Geschichte.

Wieder an Bord geht alles seinen gewohnten ruhigen Gang: Essen und trinken im Restaurant, danach ein Absacker an der Bar im „Ballsaal“. Keiner gibt dem Mann am Klavier ein Bier, der spielt trotzdem seinen Stiefel runter, gängige Weisen von „Ol´ blue Eye“ Sinatra bis „O sole mio“. Zwei, drei Pärchen wagen noch ein Tänzchen, gegen Mitternacht gehen dann langsam die Lichter aus. Bis hierhin haben die beiden Italienerinnen nichts unversucht gelassen, in Wittenberg, Dessau oder Torgau das eine oder andere modische Schnäppchen machen zu können – vergeblich, wie ihren Mienen unschwer zu entnehmen ist. Vielleicht klappt´s ja am Tag drauf in Meißen.



l MEISSEN Morgens überrascht der Blick auf Europas östlichste Weinberge die Frühaufsteher an Deck, kurz darauf ist in der Ferne die Silhouette der Albrechtsburg zu sehen. In ihren Mauern fristete der Alchimist Johann Friedrich Böttger ab 1705 für drei Jahre sein Leben. Eingesperrt von August dem Starken, dem zu Ohren gekommen war, dass Böttger aus Schrott Gold zaubern könnte. Letztlich „erfand“ dieser dann das Porzellan und begründete damit ab 1710 den Ruhm der ersten europäischen Porzellanmanufaktur. Um die Ecke, im damals schon 240 Jahre alten „Domkeller“, feierte er wohl seine Befreiung. Ob er dort auch einen „Brahdn´bemme Dreesdn´r Art", ein Zwiebelbrot mit Schweinebraten, verspeiste, darf bezweifelt werden. Für 7,5 Euro-Taler ist es heute jedenfalls die richtige Einstimmung aufs nächste Ziel der Reise: „Elbflorenz“.

l DRESDEN Als das Schiff eine Linkskurve um den letzten Weinhang der Lausitz nimmt, verstummt plötzlich jede Unterhaltung auf dem Oberdeck. Aus diesem Blickwinkel hatte noch keiner der Anwesenden Dresden gesehen. Der venezianische Maler Canaletto alias Bernardo Bellotto kommt einem in den Sinn angesichts dieser kirchturmverzierten barocken „Skyline“. 1748 malte er die bis heute schönste Ansicht der Stadt – irgendwie kann man nachempfinden, was ihn damals bewog, zu Pinsel und Palette zu greifen, um dieses Bild festzuhalten. Den Landgang nutzen die einen für einen Besuch der Schatzkammer des Grünen Gewölbes, andere zieht´s zur Frauenkirche, zum Zwinger oder zum Bahnhof mit der von Stararchitekt Norman Foster gestalteten Überdachung. Oder in die Neustadt auf der anderen Elbseite, in den schönsten Milchladen der Welt: "Pfunds Molkerei". Unsere zwei Italienerinnen wittern Morgenluft und starten zu einer weiteren Shopping-Tour in die Altstadt. Mit Erfolg offenbar, endlich huscht beim Abendessen an Bord auch mal ein zufriedenes Lächeln über ihre Gesichter.

l SÄCHSISCHE SCHWEIZ Fünfter Tag, morgens. Die Anker der „Schumann“ werden gelichtet, gemächlich geht es weiter elbaufwärts. Kaum haben wir Albrechtsbrücke und die Semperoper passiert, zeigt sich das Weltnaturerbe Elbtal von seiner schönsten Seite: Linkerhand mit leicht ansteigenden Hängen, in denen sich die Türmchen der einstigen Prachtvillen reicher Dresdner zeigen, rechterhand verlaufen sich langsam die letzten Stadthäuser in den Flussauen. Schloss Pillnitz und später Pirna werden passiert, die Festung Königstein und die ersten bizarren Felsformationen des Elbsandsteingebirges sind zu sehen. Bad Schandau wird angefahren, schnell noch ein Blick in die wenig aufregende „City“, bevor es per Bus hoch auf die berühmte Bastei geht. Eine im wahrsten Sinne des Wortes aussichtsreiche Tour – faszinierend der Blick über das 200 Meter tiefer gelegene Elbtal und die bizarren Tafelberge ringsum. Eine Eierschecke oder zwei Quarkkeulchen noch zum Abschluss, dann zurück nach Bad Schandau, das Schiff wartet schon. Bereit für das letzte Stück der Elbkreuzfahrt. Ziel ist das tschechische Litomerice, am nächsten Morgen  Startort für den Tagestrip nach Prag. Andere Stadt, anderes Land, anderer Fluss - deshalb ist das wieder eine andere Geschichte…                                                                                          J.Bleckmann

l BUCHUNG Ganzjährig erhalten Frühbucher bis drei Monate vor Reisebeginn 20% Rabatt. Bei Zweier-Belegung einer Außenkabine kostet der Törn Magdeburg-Prag (Melnik) im Juni 2011 ab 1120 € p. P. inkl. Vollpension, das „Ausflugspaket“ mit sechs geführten Tagestouren (wie beschrieben) kostet 279€ zusätzlich. Buchungen im Reisebüro oder kostenfrei über 0 800 / 18 87 100 33. Infos: www.viking-flusskreuzfahrten.de

 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
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